Jakarta in drei Akten

Prolog

Oh holdes Jakarta – so schnell mag ich Dich nicht wiedersehen. Im Schatten Deines Smogs schlummern Katz und Ratte zwischen Topf und Pfanne. Das Metropoltreiben auf der Straße, die Armut in den Gassen und die Leere im Zentrum und Herzen Deiner Stadt. Oh Jakarta, Du kalte Welt, doch warme Menschen hast Du. Jakarta gibt dir die Hand, freut sich und lacht mit dir. So lächelst Du über Deine Armut hinweg.
Kulturschock.


Akt I – Düstere Nacht

Nach ein paar aufregenden Tagen in der modernen City von Singapur flogen wir vom verrücktesten Flughafen der Welt mit Kakteengarten, Kino und kostenlosen Massagestühlen sowie freier Stadtrundfahrt in unser neues Reisekapitel: Indonesien. Am Flughafen von Jakarta wurden wir zu unserem Bus Richtung Stadtinneres gelotst. Wir waren sofort Unterhaltung und Gesprächsmittelpunkt in dem kleinen Bus. Über das unorganisierte Verstauen unserer großen Rucksäcke freuten wir uns gemeinsam mit den restlichen Businsassen. Dann wurde zusammen über unseren Weg zur Unterkunft diskutiert. Man ermittelte den besten Punkt des Rauswurfs aus dem Bus und angelte uns zugleich ein Tuk Tuk von der Straße. Dieses stürzte sich mutig in den chaotischen Verkehr auf Jakartas Straßen (viel heftiger als Bangkok). Umzingelt von unzähligen Motorrädern, PKWs und Bussen suchte sich das Tuk Tuk seinen Weg und quetschte sich dabei noch durch die kleinsten Lücken. Über einen Spurwechsel wird hier nicht nachgedacht, er wird einfach spontan vollzogen. Doch heil und vollständig kamen wir schließlich in unserer Ankunft an und schon bald wurde es dunkel in den Straßen von Jakarta…

Zum Abendessen wollten wir erst das Stadtzentrum anpeilen, doch leider scheiterten wir schon an der ersten großen Straße. An ein Überqueren war wirklich nicht zu denken. So liefen wir in den Abgasen des Straßentreibens auf dem Fußweg entlang und wurden dabei von jedem Indonesier angelacht und gegrüßt. Besonders gern wurde nach Namen und Herkunft gefragt. Schnell machte dann etwas im Kopf klick: Neben den kleinen Straßenständen, die eigentlich private Küchen waren, schliefen einige Menschen auf Decken oder Pappen. Hier, mitten auf dem Fußweg an der riesigen Straße, waren viele Menschen bereits „zu Hause“. Nach einigen weiteren Gehminuten kamen wir auf einen Platz mit vielen Holzhütten. Mit Händen und Füßen verständigten wir uns mit einer Indonesierin und bekamen schon bald Reis und Fleisch. Besteck gab es dieses mal nicht und wir schoben uns ungeschickt den losen Reis mit der Hand in den Mund. So saßen und aßen wir in dem kleinen Holzbüdchen, welches zugleich Küche war. Nebenbei konnten wir im hinteren Teil der Hütte zwei Ratten über die leeren Töpfe hüpfen sehen. Eine dritte huschte auch einmal unter unserem Tisch hindurch. Auch bekamen wir ab und zu Besuch von ein paar neugierigen Indonesiern. Unser Dasein hatte sich wohl herumgesprochen. Auf dem Rückweg hoben wir noch die erste Million Indonesische Rupiah ab und hatten bereits den Kulturschock in den Knochen.


Akt II – Im Schatten Deines Smogs

Am 29.06., dem zweiten Tag in Indonesien, gaben wir Jakarta eine neue Chance. Wir liefen am Vormittag zum National Monument. Doch die Sadt wirkte auch bei Tageslicht nicht wirklich besser. Über der Stadt lag ein grauer Dunst, die Fußwege waren menschenleer und nur die Straßen waren voller Autos und Motorräder – eine ganz seltsame Atmosphäre. Auf dem Hinweg sahen wir uns die Gereja Katedral bzw. die Jakarta Church an, welche uns wirklich beeindruckte. Dass das jedoch unser schönster Moment des Tages war, war uns allerdings nicht bewusst. Anschließend sahen wir noch die riesige Moschee Istiqlal von außen. Sie beeindruckte durch ihre Größe, jedoch nicht durch Schönheit. Die Masjid Istiqlal ist die größte Moschee Indonesiens. Sehr unscheinbar wirkte dagegen der Merdeka Palace (Unabhängigkeitspalast), an dem wir ebenfalls noch vorbeikamen.


Im großen Park um das National Monument waren ebenfalls kaum Menschen anzutreffen, jedoch aber einer der langweiligsten Jobs der Welt: Auf das National Monument konnte man für umgerechnet 50 Cent mit einem langsamen Fahrstuhl hinauffahren. Das machten wir natürlich, nachdem wir uns eine Ausstellung im unteren Teil des Monuments angeschaut hatten (ebefalls im Preis inbegriffen). Im Fahrstuhl saß ein Mann auf einem Hocker, der das Knöpfchen Nummer 3 drückte und uns von der Etage 1 auf die Aussichtsplattform brachte. Von oben gab es jedoch nicht viel Spannendes sehen. Einige Minuten betrachteten wir die diesige und etwas trostlose Stadt, machten ein paar Pflichtfotos und stellten uns schon bald wieder an der kleinen Schlange für den Schneckentempo-Fahrstuhl an. Wirklich zum Genießen war der Ausblick also nicht. Jedoch wurde uns das Warten durch ständiges Posieren für Selfies oder Familienfotos verkürzt. Man man man…
Dann stiegen wir wieder in den Fahrstuhl und der Knopf zur Ausgangsetage wurde für uns gedrückt. Nach wenigen Momenten verließen wir den Fahrstuhl und die Türen schlossen sich.

Mit etwas Hoffnung im Gepäck steuerten wir nun die Jalan Jaksa, die Backpacker-Straße von Jakarta mit drei Touristeninformationan an. Vielleicht geht ja doch noch etwas. Dort angekommen, mussten wir allerdings feststellen, dass weder Backpacker noch offene Cafés anzutreffen waren. Eine Touristeninformation hatte geöffnet, konnte uns jedoch nicht wirklich weiterhelfen. Der Rest der Straße bestand größtenteils aus Baustellen. Schon bald wurde es wieder dunkel und wir machten uns auf den Heimweg. Wieder wurde uns oft ein „Hello“ entgegengerufen. So auch von einer Gruppe Jugendlicher, die ein paar Lieder auf ihren Ukulelen schmetterten. Aus Spaß fragten wir nach, wo man solch eine Ukulele kaufen kann. Es ist ja denkbar, dass dies in Indonesien für wahnsinnig kleines Geld möglich ist und dann hat man halt ein paar Tage oder Wochen Spaß mit dem Instrument und lässt es eines Tages in einem Hostel zurück. Kurzerhand wurde uns eine Ukulele der Jungs angeboten (13 Euro). Erst hat Anne abgelehnt. Aber irgendwie war es auch ganz cool. So entschied sich Anne um und wir saßen eine Weile mit den Jungs zusammen, sangen gemeinsam Jetplane von John Denver sowie weitere Lieder und liefen irgendwann mit einer Ukulele zur Unterkunft. Nun hat Anne eine Ukulele zum Herumtragen. Juhu. Allerdings wäre es nun sehr schade, eine kleine Ukulele, übersät mit Aufklebern von den Rolling Stones, den Beatles, Pink Floyd und mehr, die bereits das Straßenleben von Jakarta gesehen hat, einfach irgendwo zurückzulassen. Wir sind nun also gespannt, wie lange uns das kleine Instrument auf Reisen begleitet, aber Hauptsache erst einmal ein Instrument gekauft…


Akt III – Ein Lichtblick

Am nächsten Tag schien die Sonne und wir hatten einen weiteren Stadtteil von Jakarta auf dem Programm! Der Norden mit Hafen, etwas Altstadt und Chinatown. Auf dem Weg zum Bus passierten wir noch die Markt- und Einkaufsstraße Pasar Baru und genossen dort einen Kaffee. Anschließend fuhren wir zum Taman Fatahillah, ein Platz, der nach einem Nationalhelden benannt wurde und an dem das niederländische Stadthuys (Rathaus von Jakarta) steht. Danach ging es zum Hafen und erkundeten dort das rege Treiben und die alten Schiffe.

Ein weiteres Highlight sollte die Jembatan Kota Intan, eine alte verrostete niederländische Zugbrücke, sein. Zu guter Letzt besichtigten wir noch Chinatown. Und hier fanden wir endlich all die Menschen der großen Metropole, die Sonne schien, es herrschte ein reges Treiben und wir fanden gutes Essen. Auch hier gab es die ein oder andere schlimmere Straße (leider nicht für euch fotografiert) und wir begegneten auch hier der ein oder anderen Ratte, doch fühlten wir uns hier schon etwas besser aufgehoben. Es gab mal wieder einen chinesischen Tempel zu besichtigen und dann war der Tag auch schon vorbei.


Epilog

So sind wir nun also in Indonesien angekommen und freuen uns, Jakarta hinter uns lassen zu können. Es war eine interessante Erfahrung, doch haben wir schöne Landschaften und gemütlichere Städte etwas lieber. 🙂

Allerliebste Grüße
Lisa & Anne

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Anne Matthes Verfasst von:

3 Kommentare

  1. MuV
    3. Juli 2016

    Mal eine ganz andere Erfahrung. Gehört auch dazu.
    Wieder so schön geschrieben. Das kann ein Buch werden.
    Liebste Grüße MuV

  2. Mathias
    4. Juli 2016

    Hallo Ihr 2,
    Oh ja, besonders nach Singapore ist alles andere in Asien ein Schock, ausgenommen KL, Bangkok und vielleicht noch Saigon. Mit Jakarta kann ich nicht mitreden, weiter als bis auf den Aiport habe ich es nicht geschafft. Bin im Oktober in Manila, befürchte dass es da ähnlich ist. Vor zwei Jahren war ich auf Sumatra, die unglaubliche Armut sowie Müll und Dreck überall sind wirklich ein großer Schock. Auf den Urlaubsinseln, Bali, ist es besser. Außer in Denpasar , da kommt man mit dem Flieger an, am besten sofort weiterfahren. Das als Hinweis, falls Ihr da sein solltet. Aber wenigstens hattet ihr keinen Vulkanausbruch + riesiges Buschfeuer, so wie ich in 2014. Wenn Ihr zu Australien / Sydney Tipps benötigt, einfach melden. Wünsche weiter viiiiiiiiiil Spaß. was für eine grandiose Reise !!!! So toll . LG

  3. Olaf und Heike
    6. Juli 2016

    Es gibt auch Schattenseiten, die im Leben dazu gehören. Viele liebe Grüße.

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