Abenteuer Merapi

Heute habe nur ich, Anne, von einer aufregenden Wanderung zu berichten…

Merapi bedeutet Feuerberg auf Indonesisch und ist der aktivste Vulkan auf Java. Zudem zählt er zu den zehn gefährlichsten Vulkanen der Welt, weil er anders als die anderen, ungenügend erforscht und somit unberechenbar ist. Das habe ich aber erst danach erfahren.

Die Tour war ein bisschen anders als ich es mir vorgestellt hatte. Da Lisa noch wegen ihrem Dengue-Fieber schwächelte, machte ich die Tour allein. Vielleicht war es ein bisschen Glück im Unglück für Lisa 😛 , denn die Tour war echt extrem und mit die härteste, die ich je in meinem Leben gemacht habe. Gegen 22 Uhr wurden wir im Hostel abgeholt. Mich begleitete ein Mädchen aus den Niederlanden. Generell sind hier in Indonesien unzählige Niederländer anzutreffen, was aber für mich sehr unterhaltsam ist, denn ich mag die Sprache unheimlich gern.

Bereits die Fahrt zum Vulkan Merapi war ein kleines Abenteuer für sich. Die erste Stunde fuhren wir durch normale indonesische Straßen. Wir kamen dem Vulkan immer näher und irgendwann hörten die Straßen plötzlich auf. Es war bereits tiefste Nacht und wir wurden im Auto kräftig durchgeschüttelt. Teilweise konnten wir steile Abhänge und erste Tabakfelder links und rechts neben der Straße entdecken.

Nach insgesamt zwei Stunden Fahrt kamen wir im Camp im Ort Selo am Fuße des Vulkans an. Dort lernten wir den Rest unserer Wandergruppe kennen. Zwei weitere Niederländer und eine Belgierin, welche ebenfalls Niederländisch sprechen konnte, waren natürlich auch wieder mit dabei. Neben diesen begleiteten uns noch zwei polnische Jungs. Einen kleinen Vorgeschmack auf den Schwierigkeitsgrad der Tour gab uns die Anzahl der Guides, die uns zugeordert wurden. Ein Guide durfte maximal drei Personen betreuen. Nachdem jeder sich mit einem Kaffee gestärkt und eine Kopflampe bekommen hatte, machten wir uns zu zehnt nach einer einstündigen Pause auf den Weg.

Nun war es bereits ein Uhr in der Nacht. Die erste Viertelstunde liefen wie eine supersteile Teerstraße entlang und hier kämpften die ersten bereits mit ihrer Ausdauer. Wir begannen wieder mit Schwitzen und zogen uns unsere Jacken aus, die wir kurz zuvor im Camp angezogen hatten, da es in den Vulkanbergen doch schon ziemlich kühl war. Bald verließen wir schon die Straße und der Weg wurde zu einem Pfad zwischen Wald, Steinen und Schlamm. Dieser war zusätzlich noch ziemlich steil. Aus diesem Grund und da wir in der Dunkelheit nur wenig sehen konnten, kraxelten wir schon jetzt auf allen Vieren den Berg hinauf. Dies ging eine ganze Weile so und schon bald machten wir uns Gedanken, wie wir das alles wieder zurückschaffen sollten. Denn wir wussten, dass uns noch ein erhebliches Stück Strecke bevorstand. Wir versuchten diese Gedanken auszublenden und konzentrieren uns auf die Pausen, die wir fast nur einmal pro Stunde machten. Jedoch konnten wir auch keine Zeit verlieren, denn wir wollten pünktlich zum Sonnenaufgang auf dem Gipfel sein. Dazu müssen wir mitten in der Nacht erst einmal 1400 Meter hinaufklettern. Zeit oder Energie für Fotos oder tiefergehende Gespräche gab es dabei nicht. Jeder konzentrierte sich auf seinen Weg und seine Steine. Nur zweimal schaffe ich es ein paar Schnappschüsse zu machen, bevor die anderen wieder laufbereit waren. Müde wurde dabei allerdings keiner. Dafür waren wir alle ein bisschen zu aufgeregt und zu neugierig was uns die Nacht noch so bringen wird. Glücklich machte es uns natürlich, dass wir vor allem viele Indonesier überholten. So langsam konnte wir also gar nicht sein.

Nach etwa drei Stunden kamen wir auf einem Plateau an. Hier waren viele Zelte aufgebaut. Man konnte sich den Merapi also auch als Zweitagestour vornehmen und war somit dem Sonnenaufgang bereits am Morgen schon viel näher und musste nicht die Nacht hindurchwandern. Allerdings geht auch einiges an Aufregung und Spaß verloren.

Nachdem der steinige und wurzelige Weg aufhörte, begann eine neue Etappe. Wir mussten einen steilen Hang hinauf, der aus Vulkansand bestand. Und jeder weiß ja, wie viel Spaß es macht, bereits im Flachen auf Sand zu laufen. Doch es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Wir wollten unbedingt zum Sonnenaufgang oben sein.

Irgendwann haben wir auch diesen Streckenabschnitt hinter uns gebracht und das letzte kurze Stück bestand aus Steinfelsen und wir mussten nahezu klettern . Dabei nahm jeder Guide ein Mädchen an die Hand und zog es mit hoch. Allerdings wäre es mir fast lieber gewesen, zwei Hände zum Festhalten und Klettern benutzen zu können. Auf der anderen Seite blieb das Tempo somit hoch und ich hatte eine zusätzliche Sicherung. Kurz vor dem Ende rief ein anderer Guide vom Kraterrand meinem Guide etwas zu. Nach einem aufgeregten Wortwechsel erklärte mir dieser, dass wir uns ganz schnell beeilen müssen. Oben gebe es etwas zu sehen. Und so rannte er beinahe los und hielt meine Hand so fest, dass ich einfach mit musste. Ich weiß heute gar nicht mehr, wie ich das eigentlich geschafft habe. Das Problem hierbei war gar nicht mal die Ausdauer sondern ein die Kraft in den Beinen fehlte nach diesem Aufstieg einfach bereits. Aber hey! Ich war die Erste der Gruppe, die über den Kraterrand blicken konnte! Meter 2930 war erreicht! Doch was wollte der eine Guide nun zeigen? Wenn man ganz leise war, hörte man ein Brodeln im Krater. Das war angeblich neu und nicht normal. Unser Guide selbst hatte „Angst“. Oha. Somit machten wir alle Pflichtfotos und stiegen wieder ein Stückchen ab, um dort Pause zu machen. Der Sonnenaufgang war währenddessen nebenbei passiert, allerdings konnten wir uns nur am Farbenspiel des Himmels erfreuen. Für die Sonne selbst war es zu diesig.


Der Abstieg über den Sandteil machte nur wenig Spaß. Jeder versuchte sich bloß nicht auf den Allerwertesten zu setzen. Plötzlich griff mich von hinten ein Guide unter den Arm und meinte „Renn einfach mal los!“. Und das tat ich. Wir rannten gemeinsam einfach den steilen sandigen Berg hinunter! Einfach so. Wir lachten und freuten uns dabei die ganze Zeit und waren in Null Komma Nix auf dem Plateau zum Pausemachen angekommen. Das hat gefetzt! Zu unserer Freude hatte ein Guide eine große Thermoskanne Kaffee mit. Dazu gab es noch ein paar Cracker und schon bald ging es weiter mit dem Abstieg.

Dieser wurde nun natürlich tatsächlich ganz schön langwierig und anstrengend. Wir mussten viele große und tiefe Schritte machen und merkten dabei unsere Beine ziemlich schnell. Als der Weg ein kleines bisschen besser wurde, fing eine Guide an, den Pfad entlang zu joggen. Warum auch nicht. Da langsames Absteigen so anstrengend war, machten einen Niederländer und ich es ihm bald nach. Es war viel einfacher, ging schneller und macht er sogar Spaß. Allerdings musste man sich hierbei sehr gut konzentrieren. Manchmal wurde man auch ein bisschen zu schnell und war froh, wenn sich ein Baum zum Abfangen vorfand. Irgendwann habe ich jedoch eine rutschige Stelle übersehen und mich richtig schön auf den Arsch gesetzt. Dann habe ich erst einmal eine Minute für mich und meinen Steiß gebraucht… 😀

Nach insgesamt neun Stunden Wanderung kamen wir endlich am Fuße des Vulkanes an. Die Tour war geschafft. Es gab noch Bananen-Pancakes und Kaffee, bevor wir mit dem Auto wieder in unsere Hostels gefahren wurden (nach 12 Uhr). Ich duschte mich mit meiner allerletzten Kraft, legte mich ins Bett und stand vor dem nächsten Tag nicht mehr auf. Was ich nicht wusste, dass ich es dem Dengue mit dieser Tour ziemlich einfach gemacht habe. Nun war auch ich dran, in den vollen Genuss der tropischen Krankheit zu kommen. Aber auch diese habe ich bestens überstanden 😉 .

Liebe Grüße
Anne

Hier geht es zu den Bildern der Wanderung!

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Anne Matthes Verfasst von: