Irgendwo im Nirgendwo

Nach 22 Stunden Fahrt mit dem Greyhound-Bus kamen wir am 2. August morgens in Alice Springs, einer kleinen Stadt irgendwo im Nirgendwo, an. An einem Tankstellenstop, einige Kilometer zuvor, mussten wir schon erschreckend feststellen, wie frostig kalt es im Zentrum des Kontinents zurzeit ist. Von den schönen 30 Grad mussten wir uns also erst einmal verabschieden. Nun haben auch wir Winter. Zu erwarten sind bis zu 5 Grad in der Nacht, aber immerhin noch angenehme 20 Grad am Tag in der wärmsten Stunde. Dennoch ist das eine ordentliche Umstellung für uns.

Zu Fuß ging es mit unseren Rucksäcken auf zum Hostel. Die Rezeption hatte noch geschlossen, aber in einer großen Gemeinschaftsküche mit kostenlosem Kaffee und einem gemütlicher TV-Raum konnten wir es uns gemütlich machen und endlich die Blogartikel von Indonesien vorbereiten. Das war ja längst überfällig! Nach kurzer Zeit konnten wir schließlich unsere Zimmer beziehen und einen ersten Gang durch Alice Springs wagen. Kleine kleine Stadt… Dann wurde erst einmal ein spätes Mittag gekocht und erster Kontakt zu den anderen Gästen aufgenommen. Für den Abend verabredeten wir uns mit der Italienerin Anna-Maria, um gemeinsam den Anzac-Hügel zu besteigen und von dort den Sonnenuntergang über Alice Springs zu beobachten.

Nachdem es dunkel in der australischen Wüste geworden war, nahm auch die Temperatur recht schnell ab. Im Hostel gab es zum Unglück für uns Wärmeverwöhnten natürlich auch keine Heizung, sondern nur eine ordentliche warme Dusche. Der Rest des Hostels hatte nur dünne Wände oder ständig offene Türen, sodass es sich für uns überall eiskalt anfühlte. So sind wir einfach ganz schnell ins Bett gekrabbelt und träumten von der warmen Mittagssonne des kommenden Tages.

Am nächsten Morgen stand für uns ein Hostelwechsel bevor, da wir eine Tour zum Uluru & Co schon damals in Deutschland gebucht hatten. Dabei war das Hostel schon inbegriffen.

Den Rest des Tages verbrachten wir damit, die restlichen Ecken von Alice Springs zu erkunden und einen Rucksack für Anne zu suchen. Dieser wurde schließlich auch gefunden und gekauft. Die Thai-Quality des letzten war nun endgültig an ihre Grenzen gekommen.


Tag 1: Der Wecker klingelte kurz nach vier

Schon kurz nach vier Uhr klingelten unsere Wecker. Schnell zogen wir uns an, packten den letzten Rest zusammen und dann ging es auch schon los. Mit dem Minibus Mishka und einigen jungen Mitreisenden ging es nun sechs Stunden durch das Outback. Dabei froren wir uns im Bus halb zu Tode. Bei der ersten Pause schnappten wir uns aus diesem Grund unsere Schlafsäcke und Mützen und deckten uns ordentlich zu. Dabei machten wir uns immer mehr Gedanken über die Nacht, denn wir sollten/wollten wieder in den Swags unter freiem Himmel schlafen. Bis zu null Grad Tiefsttemperatur waren angesagt!

Nach einem Stop bei der Tankstelle und „Emufarm“ kamen wir gegen Mittag an unserem Camp für die erste Nacht an. Hier gab es, wie wir schon von der ersten Tour gewöhnt waren, Sandwich zum Mittag. Außerdem hatten wir hier die Möglichkeit ausgiebig mit Kamelen zu schmusen. Wusstet ihr, dass neben den Kängurus auch Kamele eine Plage im australischen Outback sind und in die arabischen Länder exportiert werden? Dabei kommen in Australien auf ein Känguru etwa 100 Kamele!

Anschließend fuhren wir zum Ayers Rock Flughafen, um noch unsere letzten Reisegefährten abzuholen. Nun war unsere Gruppe vollständig und es ging Richtung Uluru, ein riesiger alleinstehender roter Stein in der Mitte von Australien. Doch für die Ureinwohner Australiens, die Aborigines, ist dieser Stein heilig. So ist es natürlich unerwünscht, den Felsen zu erklettern. Um mehr über die Aborigines und die Bedeutung des Ulurus zu erfahren, stand das Culture Center noch vor der Besichtigung des Ayers Rock auf dem Programm. Hier lernten wir, welche Geschichten und Bedeutungen der Ureinwohner an den Uluru gebunden sind. Dann war es aber endlich soweit. Nach einer wenige Minuten dauernden Fahrt, waren wir direkt vor dem Wahrzeichen Australiens schlechthin. Gesehen hatten wir ihn am Horizont bereits den halben Tag. Doch aus der Nähe sah der Uluru doch viel interessanter und faszinierender aus, als wir beide es uns am Anfang vorgestellt hatten. Die lange Fahrt nach Alice Springs hatte sich also gelohnt. Wir liefen ein gutes Stück um den roten Stein herum und bekamen von unsere jungen und netten Guide / Busfahrerin / Köchin / Organisatorin noch weitere Geschichten und Legenden der Ureinwohner zu hören, was dies erst recht zu einem interessanten Besuch werden ließ.

Langsam wanderte die Sonne immer tiefer und wir fuhren zu einem Aussichtspunkt, um den Sonnenuntergang im Rücken und das Farbenspiel auf dem Uluru genießen zu können. Auch Kata Tjuna, unser Ziel des nächsten Tages, sahen wir bereits in der Ferne. Nur ein Problem hatten wir dabei: Es wurde immer kälter…

Nachdem die Sonne untergegangen war, fuhren wir wieder gemeinsam zum Camp. Hier war das Essen schon vorbereitet und am Lagerfeuer gab es noch ein paar Marshmallows. Nach einer warmen Dusche krochen schon alle in ihre Swags und packten sich so warm wie möglich ein. Wir hatten z. B. zwei Schlafsäcke und bekamen noch eine zusätzliche Decke. Wir zogen Socken sowie Mütze an und versuchten dann irgendwie alle Reißverschlüsse zuzubekommen und hofften, dass man nachts nicht unbedingt auf die Toilette und sich aufwändig aus diesem Schutz herauswühlen muss. Nun konnten wir unter der unglaublichen Milchstraße und mit ein paar Sternschnuppen einschlafen.


Tag 2: Der Wecker klingelte 5:45 Uhr

Drei Grad sollen es in der Nacht gewesen sein. Doch gefroren haben wir zum Glück nicht. Nur das Aufstehen, dieses Mal 5:45 Uhr, war eine große Überwindung. Da wir aber den Tipp vom Vortag befolgten und uns bereits Jacke & Co mit in den Swag gestopft hatten, konnten wir uns gleich warm anziehen. Zudem wurden wir mit unserem neuen Lieblingslied (Follow The Sun – Xavier Rudd) aus der Bluetoothbox geweckt und ein kleines Feuerchen brannte bereits, damit wir Licht hatten, um unsere ganzen Schlafsäcke und Swags zusammenzurollen. Nach Campingbad und schnellem Frühstück ging es fröstelnd mit dem Bus zu einem anderen Aussichtspunkt, um dieses Mal den Sonnenaufgang zu beobachten!

Nachdem sich uns endlich die wärmende Sonne gezeigt hatte, ging es mit dem Bus nach Kata Tjuna. Diese Felsformationen bestehen aus dem gleichen Material wie der Uluru und waren wieder nur mit großen Augen zu bestaunen. Fast drei Stunden wanderten wir zwischen dieser surrealen Landschaft umher und es wurden viel zu viele Fotos von roten Felsen gemacht. Doch wir waren einfach nur beeindruckt.


Nun stand noch eine lange Fahrt zu unserem neuen Camp nahe des Kings Canyon auf dem Programm. Zwischendurch hielten wir für unser Mittagessen oder zum Holz sammeln. Dieses Mal waren aber halbe Bäume erwünscht. Trockene und tote Bäume waren aber hier im Outback nicht schwer zu finden.

Auch kamen wir an einem riesiegen Salzsee vorbei, von denen im Outback mehrere als Überbleibsel des vor millionen Jahren dagewesenen Ozeans existieren.

Diesen Abend wurde unser Chili con Känguru direkt am Feuer gekocht – mit Töpfen auf der Glut! Außerdem gelang Anne endlich das perfekte Foto des atemberaubenden Sternenhimmels mit der Milchstraße.


Tag 3: Der Wecker klingelte 4:45 Uhr

Am nächsten Tag wurden wir wieder mit cooler Musik geweckt. Es war 4:45 Uhr. Klingt das wie Urlaub? Auf jeden Fall klingt es nach Abenteuer! Noch während des Sonnenaufgangs erklommen wir den ersten kleinen Aufstieg am Kings Canyon. Wir hatten zudem den Vorteil, als erste Gruppe vor Ort zu sein und konnten den Canyon ganz unter uns erwandern und erkunden. Wir umrundeten ihn einmal und stiegen dabei auch in den Garten Eden hinab.

Nun war auch dieses Abenteuer schon vorbei. Wir fuhren wieder nach Alice Springs und bekamen im Hostel abschließend Pizza aufgetischt.


Tag 4: Der Wecker klingelte kurz nach vier

Am nächsten Tag ging es für einen Teil der Gruppe noch mit unserem kleinen Bus Mishka etwa sechs Stunden zum Ayers Rock Airport. Ratet mal, wann wir schon wieder startklar sein mussten! Natürlich 4:45 Uhr!

Liebe Grüße
Lisa & Anne

Hier geht es zu den unendlichen Fotos von Steinen & Co.

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Anne Matthes Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Mathias
    8. September 2016

    soooooo kalt, aber soooooo schön. vor allem das tiefe blau des Himmels, das ist doch dann die belohnung . und später erinnert man sich kaum noch wie man gebibbert hat 🙂

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