Neuseeland I

Mit Neuseeland waren wir in einem am weitesten von Deutschland entfernten Land unterwegs, das landschaftlich aber am nächsten ans europäische zu Hause heranreicht. Es begeistert vor allem mit seiner unbeschreiblichen und wunderschönen Natur. Während die Nordinsel von grünen Hügeln mit vielen weißen, kuscheligen Schäfchen überzogen ist, beeindruckte die Südinsel mit dem Gebirge und seinen schneebedeckten Gipfeln sowie der Fjordlandschaft.
Die Neuseeländer, welche sich selbst Kiwis nennen (und diesen Begriff auch in alle Slogans und Namensgebungen mit einbeziehen) begegneten uns immer sehr aufgeschlossen und freundlich. Auch hatten wir die Chance die Kultur der Ureinwohner kennenzulernen und gewannen Einblicke in die Geschichte der Maori.
Da wir im neuseeländischen Frühling durch das Land reisten, hatten wir auch neben frischen Tagen viele warme Sonnenstunden. Dennoch gab es Tage, an denen uns schlechtes Wetter einen Strich durch die Rechnung machte.


2. – 3. Oktober: Christchurch

Der Tag, an dem wir Australien verließen, begann für uns recht früh. 5:35 Uhr sollte der Bus abfahren. Doch für uns ging der Morgen noch früher los als gedacht. Der Tag des Abfluges war zugleich der Beginn der Sommerzeit in Australien, d. h. die Uhren wurden eine Stunde vorgestellt. Blöd nur, dass dies nicht einheitlich für das komplette Land gilt. So macht der Staat Queensland, in dem wir uns befanden, eine Ausnahme und wir hatten plötzlich zwei Handys mit zwei unterschiedlichen Uhrzeiten. An Lisas Handy war noch die Zeitzone von Sydney eingestellt und brachte alle mit einer falschen Uhrzeit durcheinander.

Der Flug von Brisbane nach Christchurch brachte uns weitere drei Zeitstunden von zu Hause weg. Somit waren wir nun an unserer am weitesten von Deutschland entfernten Station angekommen und hatten eine Zeitverschiebung von elf Stunden. Auf der anderen Seite der Welt begrüßte uns Neuseeland bereits im Flugzeug mit einer atemberaubenden Aussicht, als wir die Südalpen überflogen und die mit Schnee bedeckten Gipfel sahen. Auch unser erstes Schaf sahen wir noch, bevor wir landeten. Interessant: Auf jeden Neuseeländer kommen ca. 20 Schafe.

Obwohl wir deutlich geschafft und müde nach der Reise waren, machten wir uns gleich nach unserer Ankunft auf eine Entdeckungstour durch die zweitgrößte Stadt Neuseelands und stellten schnell fest, dass ein Tag völlig ausreicht, um sie zu besichtigen. Zum Glück, denn mehr Zeit hatten wir auch nicht. So sahen wir uns die Überreste der Kathedrale, die 2011 von einem starken Erdbeben zerstört wurde, an. Darunter litt auch der Rest der Stadt. Daraus entstand die Containermall Re:start, in der lokale Geschäfte angesiedelt sind.

Nach einem langen Spaziergang durch die Stadt, erreichten wir noch den botanischen Garten.


4. Oktober: Kaikoura

Am 4. Oktober wurden wir schließlich vom Kiwi Experience Bus abgeholt, mit dem wir die restliche Zeit in Neuseeland reisen wollten. Dabei handelt es sich tatsächlich um einen Hop-On-Hop-Off-Bus, der uns über beide Inseln bringen sollte. Dieser brachte einige Vorteile mit sich: Er war billiger als ein Camper für einen Monat, man soll größtenteils mit den gleichen Reisenden unterwegs sein und es wurden alle wichtigen Stationen der beiden Inseln angefahren, die wir unbedingt sehen wollten. Unser Busfahrer war zugleich unser Guide und versorgte uns während der Fahrt mit interessanten Informationen und hielt auch zwischendurch für schöne Wanderungen und Ausblicke. Das Buchen von Hostels oder Aktivitäten konnte man bequem im Bus erledigen und sich somit einfach treiben lassen. Schon bei Beginn der Fahrt durchquerten wir wunderschöne Landschaften: Leuchtend grüne Hügel, auf denen unzählige Schafe grasten, und das Meer, in dem wir bereits die eine oder andere Robbe sehen konnten.

Gegen Mittag erreichten wir dann unser Tagesziel: Kaikoura. Erst liefen wir hier ein wenig an der Esplanade entlang, gönnten uns frischen gegrillten Fisch an einem Straßenstand und machten vor allem viele Fotos!

Irgendwann verzogen sich auch die Wolken und es klarte auf. Plötzlich sahen wir am Horizont die riesigen schneebedeckten Gipfel der Südalpen. Gigantisch und atemberaubend und direkt davor befand sich das Meer.

Auf ein paar Felsen tummelten sich Robben, die wie dicke Seegurken am Land herumlagen und sich von nichts stören ließen. Von hier aus starteten wir einen Wanderpfad, der einmal um die kompletten Spitze der Halbinsel entlang führte. Dabei liefen wir länger als erwartet, konnten jedoch eine wahnsinnig schöne Landschaft genießen, überquerten Kuhweiden und fotografierten die ersten Schäfchen. Am Abend waren wir dann natürlich auch entsprechend müde.



5. Oktober: Wellington

Am Morgen dieses Tages hielten wir mit dem Bus an einem Aussichtspunkt, wo wir einen Blick über die schroffe Felsenküste und eine Robbenkolonie hatten. Hier fuhren wir an einer wunderschönen Küstenstraße entlang, die einen Monat später durch das Erdbeben (14.11.2016) nun leider völlig zerstört und verschüttet ist. Echt traurig.

Für unsere weitere Reise durch Neuseeland verließen wir erst einmal die Südinsel. Von der Hafenstadt Picton setzten wir mit der Fähre, die einem schwimmenden Hochhaus gleicht, nach Wellington über. Die Fahrt dauerte drei Stunden und zählt dabei zu einer der schönsten der Welt. Wir durchquerten die Marlborough Sounds und waren dabei stets von riesigen aus dem Meer ragenden Felsen und Gipfeln umgeben. Eine tolle Aussicht!

Am Ende der Fahrt erreichten wir die Hauptstadt von Neuseeland: Wellington. Leider war es bereits dunkel und uns blieben nur ein paar Stunden Zeit zur Erkundung der Sehenswürdigkeiten, darunter das Rathaus, verschiedene Theater, die Oper sowie der Hafen.

Nachdem wir am Abend unser Freigetränk in der Bar des Hostels abgeholt und ein Weilchen mit unseren neuen Reisegefährten zusammengesessen hatten, ging es bald schon ins Bett, denn am nächsten Tag sollte der Wecker bereits wieder früh klingen. Schade, dass wir viel zu wenig Zeit hatten, um das windige Wellington kennenzulernen (Windhauptstadt!). Der erste Eindruck war sehr gemütlich. In den vielen kleinen bunten Straßen gibt es viele Bars und Cafés und auf den Straßen sind vor allem viele junge Leute unterwegs.


6. Oktober: Taupo

Auf dem Weg zu unserem nächsten Tagesziel Taupo durchquerten wir den Tongariro Nationalpark, besser bekannt als Mordor aus „Der Herr der Ringe“ und die Heimat der einzigen aktiven Vulkane in Neuseeland.

Taupo liegt am zweitgrößten Kratersee der Welt. Eine weitere Attraktion sind die Huka Falls, die meistbesuchten Wasserfälle Neuseelands, zu denen wir uns auch gleich nach unserer Ankunft aufmachten! Auf dem Weg mussten wir jedoch erschreckend feststellen, dass Annes Kamera wieder nicht funktionierte. Einen Sturz von vor zwei Tagen in Kaikoura hatte das Objektiv wohl doch nicht überstanden.

Dennoch setzten wir unsere Wanderung fort. Bei wechselndem heiteren bis grauen, regnerischen Wetter folgten wir dem Flusslauf, kamen an Klippen vorbei und erreichten nach einiger Zeit die Huka Falls. Hier strömen Unmengen an Wasser durch eine kleine Einengung und sprudeln in unterschiedlichen Blautönen wild umher.


Der Wanderweg erinnerte uns dabei abwechselnd an unsere heimischen Wälder, dann aber gleich wieder an den Dschungel, da hier überall palmenähnliche Farnbäume wachsen.

Auf dem Heimweg nahm Lisa noch ein Bad in einer heißen Quelle, an der wir vorbei kamen. Hier kommt das Wasser kochend aus dem Boden und vermischt sich mit dem Flusswasser, sodass es sehr angenehm warm ist. Man darf sich nur keinen Zentimeter zu nah an den Fluss heranwagen, sonst wird es eiskalt!


7. Oktober: Auckland

Bevor wir die größte Stadt Neuseelands erreichten machten wir noch einen Zwischenstopp im Kiwi Encounter. Lisa machte hier eine Führung, um den Nationalvogel Neuseelands zu sehen. Neben Eiern in der Ausbrutstation und ausgewachsenen Tieren im Dunkelgehege (die flugunfähigen Vögel sind nachtaktiv), sahen wir Jungtiere, die gerade gefüttert wurden.

Unsere spätere Ankunft in Auckland begann dann erst einmal chaotisch: Anne sprintete sofort los, um sich auf die Suche nach einem Ersatzobjektiv zu machen und Lisa hatte ihr Handy tatsächlich im Bus liegen lassen. So trennten sich unsere Wege und nach einem Anruf bei Kiwi Experience hatte Lisa bereits Zeit, die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu erkunden. Der Stadtkern von Auckland war innerhalb einer Stunde abgelaufen, darunter die alten Gebäude des Rathauses und verschiedener Museen, das Wahrzeichen von Auckland der Skytower und der Hafen.

Anne war bei ihrer Suche erfolgreich, wenn auch nicht komplett zufrieden, da die Kamera durch das neue Objektiv (preiswerteste Alternative) an Gewicht und Größe zugenommen hatte. Neuseeland ist in Bezug auf Technik mehr als doppelt so teuer wie Australien. Was für ein Pech!

Am Abend hatte Anne noch Zeit ihr neues Objektiv in der Stadt auszuprobieren.



8. – 10. Oktober: Pahia

Mit einem tollen Blick über die Skyline von Auckland während des Sonnenaufgangs ging es weiter Richtung Norden. Hier machten wir auch Halt für eine kurze Wanderung zu dem Whangarai Falls.

Bereits am Nachmittag erreichten wir den Ort Pahia an der Bay of Islands. Vom Strand aus konnten wir viele kleine Inseln sehen, die bereits von Captain Cook erkundet wurden (Ja, auch in Neuseeland spielt er weiterhin eine große Rolle!).

Endlich verbrachten wir wieder einmal zwei aufeinanderfolgende Nächte im selben Bett! Auch wenn wir hier in den wackeligsten und quietschigsten Betten von ganz Neuseeland schlafen mussten. Dabei träumten wir von unseren Betten zu Hause…

Nach einem Mittagessen (Hey, mal wieder Nudeln mit Pesto!) wollten wir die Haruru Falls besuchen. Der erste Abschnitt der Wanderung führte dabei leider an einer unschönen und stark befahrenen Straße entlang. Nach drei Kilometern erreichten wir die Wasserfälle. Der Heimweg führte dann jedoch durch einen idyllischen Wald mit vielen Farnbäumen, dem Nationalgewächs von Neuseeland (der Silberfarn). Hier sahen wir auch viele unterschiedliche Vögel: Unter anderem einen Fantail, eine seltene Holztaube, kleine „Haubentäubchen“ und sogar einen ganzen Schwarm von Wasservögeln, die in einem Baum brüteten.

Zur Überquerung eines Flusses führte uns der Weg auf einem Holzsteg durch einen Mangrovenwald. An der Küste entlang ging es dann wieder zum Hostel. Dabei hatten wir einen tollen Blick auf die vielen kleinen Inseln beim Sonnenuntergang.



Am nächsten Tag stand ein Ausflug mit einem Allrad-Bus zum nördlichsten Punkt von Neuseeland an. Auf den Weg zum Kap Reinga besuchten wir den Waipoa Forrest mit riesigen, uralten Bäumen (solche riesigen Stämme haben wir bisher in noch keinem Urwald gesehen) und fuhren mit dem Bus über den 90 Miles Beach. Anschließend erklommen wir eine hohe Düne und Lisa probierte noch einmal das Sandboarding aus. Leider endete diese Fahrt mit einer Vollbremsung, bei der sie sich einmal durch den feinen, klebrigen Sand rollte.

Direkt am Kap Reinga wanderten wir zum Leuchtturm und hatten von den umliegenden Klippen einen tollen Blick über die Küste, an der das Tasmanische Meer und der Pazifischen Ozean aufeinandertreffen. Uns wurde versprochen, dass die Meere hier besonders dramatisch aufeinanderprallen und man sogar einen Farbunterschied sehen kann, da sich die Gewässer nicht miteinander vermischen. Leider konnten wir davon nichts erkennen.

Auf dem Heimweg hatte sich dann auch das schöne Wetter von uns verabschiedet. Wir hielten noch an einem Strand und machten noch für Fish’n‘Chips einen Stop an einem bekannten Fischladen. Am Abend erreichten wir dann wieder Pahia.

Da wir erst am Nachmittag des nächsten Tages wieder vom Kiwi-Bus abgeholt wurden, wollten wir die erste Tageshälfte in Pahia endlich für etwas Blogarbeit nutzen. In der kleinen Bibliothek des Orts gab es zwar kostenfreies Internet, jedoch auch eine digital-freie Zone und die Nutzung von Laptops und Handys war nur außerhalb des Gebäudes erlaubt. Super! Somit musste Anne also im Nieselregen und im Stehen Online-Banking durchführen und die restlichen Bilder frierend in der Kälte hochladen. Für Blogarbeit hatte es also schon wieder nicht gereicht.

Bald kommt mehr zu Neuseeland!
Allerliebste Grüße,
Anne & Lisa

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Lisa Möller Verfasst von:

2 Kommentare

  1. Cathi
    19. November 2016

    Schön endlich wieder so ausführlich von euch lesen zu können.
    Freue mich schon auf den nächsten Eintrag. 🙂

  2. Helga
    21. November 2016

    Hallo ihr Beiden, mit Spannung habe ich den Neuseelandbericht gelesen. Die vielen Fotos sind ja sehr schoen anzusehen. LG Oma Helga

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