Neuseeland II


11. Oktober: Hot Water Beach

Nachdem wir wieder einen Abend in Auckland verbracht hatten, an dem wir aber vor allem die Ruhe auf unserem Zimmer genossen, sammelte uns am nächsten Morgen unser neuer Busfahrer James ein. Mit ihm ging es nun als erstes nach Hot Water Beach. Auf dem Weg dorthin hielten wir an der Cathedral Cove, an welcher bereits Dreharbeiten für den Fantasyfilm Narnia sowie einem Musikvideo vom Rapper Macklemore durchgeführt wurden.

Durch einen bogenförmig ausgespülten Felsen wurden hier zwei Strände miteinander verbunden. Obwohl das Wasser wieder einmal eiskalt und das Wetter regnerisch war, fassten wir all unseren Mut zusammen und sprangen in das kühle Nass.

Aufwärmen konnten wir uns dann am Abend am Hot Water Beach. Dieser ist ein Strand, an dem heißes Wasser aus dem Boden kommt! Der Zugang ist jedoch nur bei Ebbe möglich, da war es bei uns bereits spät abends und dunkel. Um einen warmen Pool zu bekommen, mussten wir nun erst einmal buddeln! Mit Schaufeln gruben wir Löcher in den Sand, um an das kochendheiße(!) Wasser zu kommen. Hat man einmal eine Quelle gefunden, musste man nun noch nach kaltem Wasser graben, um für den Pool die gewünschte Temperatur zu erhalten. Das war allerdings nicht immer so einfach. War dies aber geschafft, konnte man entspannen und die anderen Leute beim panischen Umherrennen beobachten, wenn der Sand oder das Wasser doch einmal zu heiß für die nackten Füße wurde.

Wir genossen unser Thermalbad bis zum Schluss und verließen den Strand als letzte. Dabei sahen wir auf dem Rückweg noch ein paar Glühwürmchen in den Sträuchern, welche uns schon Vorfreude auf den nächsten Tag verschafften, an dem wir noch viel mehr sehen sollten.


12. Oktober: Waitomo

Auch in Neuseeland wurde einst Gold abgebaut. Ein paar dieser Minen sind nun Teil des Karangahaken George Hostoric Reserve. Über riesige Hängebrücken und vorbei an hohen Schluchten erkundeten wir die alten Gänge der Minen und folgten den alten Schienen.

Bei unserer Reise mit dem Kiwi-Bus hatten wir immer die Möglichkeit bestimmte Aktivitäten für den Tag direkt im Bus zu buchen. Meistens handelt es sich dabei um Adrenalinabenteuer wie White Water Rafting, Bungee Jumping oder Skydiving!

In Waitomo nahmen wir solch ein Angebot wahr: Black Water Tubing. Hier galt es ein Netzwerk aus unterirdischen Tunneln zu erkunden, in denen die höchste Konzentration an Glühwürmchen zu finden ist. So wurden wir am Nachmittag abgeholt, in Neoprenanzüge gezwängt (es gab sogar Neoprensocken!) und mit einem großen Gummireifen ausgestattet. Nach einem ersten Probesprung ins arschkalte Wasser ging es mit Helm und Kopflampe in einen der Tunnel, wo wir schon das Wasser rauschen hörten. Nun folgten wir dem Strom durch das Kanalsystem und mussten auf Wasserstrudel Acht geben und Wasserfälle rückwärts mit dem Reifen unter dem Po herunterspringen. Nicht einfach in den Gummireifen setzen, sich treiben lassen und Glühwürmchen beobachten? Damit hatte Lisa nicht gerechnet – aber nun hieß es Augen zu und durch, auch wenn sie das Springen meist durch Klettern ersetzen konnte.

Am Ende des Abenteuers durch die Gänge konnten wir uns dann endlich einmal treiben lassen. Dabei hingen wir uns aneinander und wurden von den beiden Guides durch das Wasser gezogen. Wir fühlten uns wie die Nichtschwimmer-Asiaten vom ersten Teil unserer Reise. Das war witzig. Nun hieß es Licht aus und Blick nach oben: Überall waren blaue und leuchtende Punkte der Glühwürmchen zu sehen. An der hohen Höhlendecke wirkte dies wie ein Sternenhimmel. Unbeschreiblich! Mit zwei kleinen Sprengsätzen, die einen lauten Knall verursachten, versuchte zuvor unser Guide noch mehr Tierchen aufzuwecken und dann hieß es für uns die letzten 100 Meter allein im Dunkeln aus der Höhle finden, bei denen wir uns zuerst auf dem Rücken liegend durch den „Tunnel der Liebe“ quetschen mussten. Denn wenn man sich hier nicht flach genug hinlegt, küsst man die Steindecke.

Das Ende unserer Höhlenerkundung stellte ein Loch dar, welches uns mitten im grünen Dschungel zum Tageslicht zurückführte. Was für ein Erlebnis!


13. Oktober: Rotorua

Am Anfang des Tages stand wieder eine Wanderung an. Diesmal erkundeten wir den Ruakuri Bushwalk, bei dem wir in einem Wald viele unterschiedliche Höhlen entdecken konnten.


Anschließend ging es nach Hobbiton, einem Filmset aus „Der Herr der Ringe“. Es stellt die Heimat der Hobbits dar. Wir waren zwar zu geizig für eine teure Tour durch die Anlage, genossen jedoch die grünen Hügel außerhalb des Busses und fühlten uns ebenfalls wie im Hobbitland. Anschließend ging es für uns schon weiter nach Rotorua, wo wir nun noch ein paar Stunden Aufenthalt hatten.

Unser Busfahrer hatte am Morgen das Spiel „Lollipop-Game“ eingeführt. Während der langen Fahrt wählt er dabei Menschen am Straßenrand aus und nennt je nach Attraktivität der Person eine Anzahl von Biergläsern. Je „hässlicher“ desto mehr Bier. Dieses wurde dem Mutigen versprochen, der sich traute, an Ort und Stelle aus dem Bus zu springen und der vom Fahrer ausgewählten Person auf den Mund zu küssen. Niemals hätten wir gedacht, dass es soweit kommt. Doch nach dem Besuch von Hobbiton wurde ein Straßenarbeiter an einer Baustelle fällig. Ganze fünf Bier sollte es für den glatzköpfigen Neuseeländer in der orangenen Warnweste geben. Nach kurzem Zögern und großer Überzeugungskunst unseres Driverguides fasste sich ein Junge aus unserem Bus ein Herz und wollte sich sein Bier erarbeiten. Er versuchte es mit vorsichtigen Erklärungsversuchen und scheiterte, denn der Straßenarbeiter fand dies nicht so lustig und lehnte ab. Jetzt war der Moment für Frauenpower gekommen und zwei Mädels sprangen aus dem Bus und rannten um die Wette. Die Schnellere küsste den Auserwählten ungefragt auf den Mund (verdammt lange!). Wer hätte das gedacht! Die Aufregung im Bus war natürlich groß. Schnell ging es wieder zurück in den Bus und die Baustellenampel schaltete auf grün. Während der Bus losfuhr, gab der Bauarbeiter verlegen sein Erlebnis durch das Funkgerät weiter und schenkte unserem Bus nun doch ein breites Grinsen. Erst jetzt entdeckten wir, dass er kaum mehr Zähne im Mund hatte. Besonders die Reaktion der Kussmutigen war Gold wert!

Schon bald kamen wir in Rotorua an. Hier gibt es besonders hohe vulkanische Aktivitäten, mit vielen heißen Quellen, Schlamm-Pools und auch Geysire. Vor allem riecht es hier aber unangenehm nach Schwefel. Für unser Mittagessen entfernten wir uns somit ein wenig vom Gestank und suchten uns ein gemütliches Plätzchen am See, wo wir jedoch nach kurzer Zeit von schwarzen Schwänen entdeckt und vertrieben wurden. Geradeso konnten wir noch unsere Rucksäcke und vor allem das Essen retten.


Am Nachmittag wurden wir dann zum Tamaki-Village der Maoris gefahren, wo wir für diesen Tag einen näheren Einblick in das Leben und die Kultur der Ureinwohner Neuseelands bekamen. Dafür mussten wir noch im Bus unseren neuen Stammesanführer wählen und ein Lied lernen, mit dem wir die Maori begrüßen sollen. Ausgewählt wurde der Disney-Song „Let it go“, den wir mehr oder weniger recht performten. Aber anscheinend war er gut genug, um bleiben zu dürfen! Mit leckerem Kaffee und Kuchen wurden wir nun empfangen.

Anschließend mussten wir noch ein weiteres Lied lernen, das wir am Abend bei der Maori-Show den anderen Gästen vortragen sollten.

Nach dieser Probe lernten wir zwei traditionelle Geschicklichkeitspiele mit Stöcken kennen, bei denen wir sogar in einer K.O.-Runde unter die besten 5 von 30 kamen! Gerade beim Schreiben fällt uns auf, dass Anne gar keine versprochene (Fast)Siegerprämie bekommen hat. So viel Spaß hat also der Abend gemacht, dass man komplett abgelenkt und in der Welt der Maoris angekommen war.

Am Abend begann die Show. Während der offiziellen Begrüßung, bei der wir nicht Lachen oder uns von der Stelle bewegen durften, zeigten die Maoris mit wilden Schreien, aufgerissenen Augen und herausgestreckter Zunge einen ganz sonderbaren Tanz. Dieser soll zeigen, welche gefährlichen und starken Kämpfer sie sind und dass sie uns lecker finden. Also Respekt bitte! Die Maoris stammen von pazifischen Völkern ab, wo Kannibalismus noch lange praktiziert wurde. Jedoch hatten wir in Neuseeland nichts zu befürchten. Anschließend wurden wir in das Dorf geleitet, wo uns an verschiedenen Stationen Wissen über unterschiedliche Bereiche der Maori-Kultur gelehrt wurde.

Nach einer Show mit viel Gesang und Tanz und einem leckeren Abendessen mit großem Buffet, bei dem wir auch unser gelerntes Maori-Lied vortragen mussten, verbrachten wir den Abend am Lagerfeuer und in den heißen Pools bis wir in die bequemsten Betten seit langem fallen durften.


14. – 16. Oktober: Taupo

Nach einem ordentlichen Frühstück verließen wir dann Rotorua und machten eine Wanderung durch einen alten Wald, bevor wir den Rest der Gruppe aus der Stadt abholten. Alle zusammen fuhren wir noch nach Waiotapo, wo es Mud-Pools zu sehen gibt. Das heißt also einen kleinen Schlammsee bestaunen, in dem es friedlich vor sich hin blubbert und schmatzt.

Weiter ging es nach Taupo, das wir bereits bei unserer Reise Richtung Norden durchquert und erkundet hatten. Dieses Mal blieben wir für drei Nächte, um eine Chance für das Tongariro Crossing zu erhalten. Die Wanderung wird zu dieser Jahreszeit fünf von sieben Mal aufgrund schlechter Wetterbedingungen abgesagt und wir wollten somit unsere Chance verdoppeln. Dabei handelt es sich um einen Hike zu einem Vulkan im Tongariro Nationalpark. Der erste Tag war natürlich völlig verregnet und es gab keine Möglichkeit das Tongariro Crossing durchzuführen. Leider konnten wir die Wanderung auch am zweiten Tag nicht machen, was unglücklicherweise auf einem Missverständnis beruhte. Am Tag der Wanderung standen wir um fünf auf, um uns an der Rezeption nach der Lage zu erkundigen. Nach einem Anruf konnten wir jedoch leider wieder weiterschlafen. Am nächsten Tag erfuhren wir jedoch durch Zufall, dass einer unsere Mitreisenden die Tour durchführen konnte. Es stellte sich heraus, dass andere Wanderwillige den Rezeptionisten etwas später zu einem erneuten Anruf überredeten und bekamen dann doch ein Go! für die Wanderung. Fies!

Wir verbrachten hingegen die Zeit in der Bibliothek und bei McDonald’s, um wenigstens den Blogartikel für Australien fertigzustellen. In Taupo trafen wir auch Marc und Jasmin wieder, die wir beim Dschungel-Trekking in Thailand kennengelernt hatten und bereits in Australien wiedertreffen wollten. Bei einem leckeren Restaurantbesuch mit Burger, gutem Wein und anschließend vielen Reisegeschichten im Camper, mit dem Marc und Jasmin unterwegs waren, hatten wir einen tollen Abend und feierten zugleich Marcs Geburtstag.


17. – 18. Oktober: River Valley (+ Wellington)

Einen kleinen Einblick in den Tongariro Nationalpark bekamen wir am Tag unserer Abreise aus Taupo. Von unserem neuen Driverguide Elliot wurden wir durch die Vulkanlandschaft, vorbei an hellblauen Bächen und vielen tundraähnlichen Gewächsen zu den Taranaki Falls geführt.

Danach stand eine Fahrt durch die grünen Hügel von Neuseeland an, zwischen denen wir nun eine Nacht im River Valley einlegten. In dem malerischen Tal gab es lediglich ein einzelnes Gasthaus, wo wir in der Gruppe auf dem Dachboden schliefen, abgeschnitten von allem um uns herum.

Hier entschied sich Lisa eine Reittour mitzumachen, um die Landschaft Neuseelands besser kennenzulernen. Auch Anne, die bis dahin stark geblieben war und auf die Tour verzichten wollte, gönnte sich schließlich doch den teuren Spaß.

Damit wir die Tiere später verstehen konnten, spielten wir selbst erst einmal Reiter und Pferd. Wir sollten erfahren, wie es sich anfühlt, geführt zu werden. Nach ein paar Trockenübungen wiederholten wir diese mit unseren Pferden. Auf den Aufbau einer Verbindung zum Tier wurde auf dem Hof sehr viel Wert gelegt. Dann ging es los. Leider erwischte Anne ein eigenwilliges Teenager-Pferd, welches noch seine Grenzen testete. Lisa bekam das älteste Tier, welches sie immer beißen wollte, sobald sie den Befehl zum Losreiten gab.

Am Ende klappte jedoch alles prima und natürlich hatten wir eine tolle Zeit, in der wir durch Schafsherden ritten und einfach die wahnsinnig tolle Landschaft genießen konnten! Bereut wird also nichts!

Schon bald kommt mehr zu Neuseeland!

Beste Grüße,
Lisa & Anne

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