Alles Wüste

La Serena

Unsere Reise in den Norden von Chile begann mit einem Zwischenstopp in La Serena. Die Stadt am Meer befand sich zu unserer Überraschung bereits mitten in der Atacama-Wüste, die ungefähr die Hälfte des Landes einnimmt. Von nun an wurde die Landschaft während unserer Reise in den Norden immer karger und trockener.

Da die meisten Backpacker nicht viele Pausen zwischen Santiago de Chile und San Pedro de Atacama (ganz im Norden von Chile) einlegen, erkundeten wir die dazwischenliegenden Städte fast ausschließlich allein unter den Einheimischen.

Unser Hostel befand sich nahe dem Zentrum der Stadt bei dem bekannten EinkaufszentrumRecova mit vielen Obst-, Gemüse- und Souvenierständen. Von dort begaben wir uns am ersten Tag zu einer erhöht gelegenen Festung, die sich jedoch als Regiment von La Serena herausstellte. Somit hatten wir zwar keinen Zutritt zum Gebäude, dafür aber eine kleine Aussicht über die Stadt.

Neben einem Leuchtturm am Strand gab es keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Doch wir genossen den Tag mit einem leckeren Saft und einem Rundgang an Kirchen, Einkaufsstraßen und Parks vorbei.



Pisco Elqui

Da ein Tag zum Erkunden genug war, machten wir uns bereits am nächsten Morgen auf ins Elqui Valley, einem grünen Tal am Rande der Anden. Hier herrschen besondere klimatische Bedingungen, die sich positiv auf den Weinanbau auswirken. Nach der Durchquerung eines Tunnels durch das hohe Gebirge begrüßte uns gleich ein strahlend blauer Himmel und wir konnten die Wolken aus La Serena hinter uns lassen.


Neben Wein wird aus den hier angebauten Trauben noch eine hochprozentige Spezialität hergestellt: Pisco. Wir besuchten eine Destillerie, in der der in Chile (und Peru) weit verbreitete und gern getrunkene Schnaps hergestellt wurde. Per Anhalter erreichten wir „Los Nichos“, wo wir eine Tour durch die Herstellungsräume und Informationen über den Prozess bekamen und am Ende sogar zwei verschiedene Piscos kosten durften. Sehr stark! Am liebsten trinken die Chilenen den Schnaps aber gemischt. zum Beispiel mit Zitronensaft (Pisco Sour).


Die Abgelegenheit des kleinen Tals in den Anden ermöglichte uns noch einen astronomischen Ausflug am Ende des Tages! Neben ein paar Weinfeldern, einem Hauptplatz mit einer Kirche und ein paar Häuschen gibt es hier nämlich nicht besonders viel. Dadurch ist auch die Lichtverschmutzung sehr gering. Wir befanden uns also an einem der weltbesten Orte zum Sternegucken. Am Lagerfeuer bekamen wir Pisco Sour und eine Einführung, bei der erklärt wurde, was ein Stern eigentlich ist, was seine unterschiedlichen Farben bedeuten und wie weit die Himmelskörper entfernt sind. Anschließend zeigte uns unser Guide ein paar besondere Sternbilder und -konstellationen. Leider konnten wir zu dieser Jahreszeit die Milchstraße nicht sehen. Zum Schluss durften wir alle noch durch ein großes Teleskop schauen und neben ein paar Sternen auch einen genaueren Blick auf den Mond werfen. Dieser war zu diesem Zeitpunkt besonders groß, da der Supermond bevorstand.

Eine tolle Sicht über das Tal und die gigantischen Berge hatten wir am nächsten Morgen von einem Aussichtspunkt aus. Diesen zu finden, war jedoch etwas schwierig. Zum Glück bekamen wir Hilfe von einem Hund, der uns auf dem Weg begleitete.


Caldera

Am 11. November machten wir uns früh auf zum Busterminal. Wieder einmal viel zu zeitig für das inkludierte Frühstück. Nach einer siebenstündigen Fahrt kamen wir im kleinen chilenischen Urlaubsort Caldera an – noch kleiner als wir dachten. Doch somit mussten wir auch gar nicht weit zu unserer Untekunft, dem Hostal Chango Backpackers, laufen. Hier verständigten wir uns das erste Mal komplett auf Spanisch bzw. mit Händen und Füßen. Dabei wurde dennoch viel gelacht und es war ein herzlicher Empfang. Wir hatten das Hostel in der Nebensaison nahezu nur für uns, ein eigenes Badezimmer und eines der besten Frühstücke.

Am Tag nach unserer Ankunft nahmen wir den Ort genauer unter die Lupe.


Nach wenigen Minuten hatten wir jedoch schon alles wichtige gesehen und machten uns über die Ruta del Disierto (Wüstenstraße) auf nach Bahia Inglesa, ein weiteres bekanntes Urlaubs- und Badeörtchen am Pazifischen Ozean. Nach fünf Kilometern durch Stein und Sand, aber entlang eines guten Fahrradwegs, erreichten wir Bahia Inglesa – noch kleiner als Caldera. Dennoch war es interessant, so hautnah die Wüste zu erleben und zu bestaunen, dass Orte in solch einer unfruchtbaren Welt entstanden sind.

Nach einem leckeren Mittagessen streckten wir auch mal den großen Zeh ins Meer – kaaalt! Wir genossen noch ein Weilchen die Atmosphäre, beobachteten chilenische Touristen und machten uns schon bald auf den Rückweg. Hier holten wir beide uns einen ordentlichen Sonnenbrand. Diese Sonne… In Asien machte sie die Luft kochend heiß und gefährdete mit Dehydration, in Australien sagt man, ist sie am aggressivsten, Neuseeland liegt nahe unter dem Ozonloch und hier merkt man die Kraft der Sonne gar nicht, da vor allem angenehme mittelmäßige Temperaturen vorherrschen (und das in der Wüste…).

Mithilfe unserer spärlichen Spanischkenntnisse hatten wir versucht, über unsere Vermieterin eine Tour zu organisieren. Nach der Rückkehr bekamen wir Bescheid. Leider konnte unsere favourisierte Fahrt zum Nationalpark Pan de Azucar nicht realisiert werden, jedoch eine Tour entlang der Küste in den Süden zum angeblich schönsten Strand von Chile: Playa de Virgen.

Am nächsten Tag ging es mit unserer Tour zur wohl angenehmsten Zeit, 12 Uhr, los. So hatten wir vorher die Möglichkeit ordentlich auszuschlafen und gemütlich zu frühstücken. Auch liefen wir noch zum Busschalter, um unsere Weiterfahrt in den Norden Chiles zu planen. Entgegen der ausgehangenen Öffnungszeiten war dieser jedoch geschlossen.

Kurze Zeit später wurden wir wider Erwarten von einem Taxi abgeholt. Im Auto saßen bereits Mario aus Italien und Mijael aus Santiago. Mit dem Taxifahrer Bernado und uns beiden war die Reisegruppe komplett. Die kleine Gruppe war ausgesprochen unterhaltsam und wir sprachen Englisch, Spanisch und Deutsch durcheinander – Mario wollte seine Deutschkenntnisse mal wieder anwenden, der Taxifahrer versuchte ab und zu ein paar Sätzchen auf Englisch und wir auf Spanisch. Oft musste Mijuel dann aber doch als Dolmetscher herhalten, denn der Taxifahrer hatte sich die Rolle als Guide zu Herzen genommen und erzählte uns viel über die Entstehung der interessanten Küsten- und Strandlandschaft. Auch musste das Taxiauto hart im Nehmen sein, denn oft fuhren wir nur jeepgeeignete Steinwege entlang und es rumpelte mehrfach unter dem Auto.

Wir sahen und erkletterten coole Strände und Klippen, sahen Geier, Seesterne und ein rundes, schwarzes Einschlagloch eines Meteoriten. Den Abschluss sollte der Playa de Virgen, der schönste Strand Chiles, bilden. Mit hohen Erwartungen erreichten wir einen kleinen Strand in einer kleinen Bucht mit einigen chilenischen Urlaubern. Restauranthäuschen waren jedoch verlassen und den Titel „Schönster Strand Chiles“ verstanden wir nicht ganz. Sind wir verwöhnt. Dennoch entspannten und sonnten wir uns hier fast zwei Stunden bis wir die Heimfahrt antraten.

Am Abend lernten wir im Hostel Rodriguez kennen. Der 22-jährige Argentinier wollte sich unbedingt mit uns unterhalten, jedoch funktionierte dies nur eher schlecht als recht via Google-Translator. Dennoch schauten wir uns zusammen den hellen Supermond an und gingen nach ein paar Bier ins Bett.


Antofagasta

Einen weiteren Aufenthalt hatten wir in Antofagasta. An einem Tag besuchten wir die Stadt und sahen uns die alten Kolonialbauten und den Hafen an, wo es wieder Seelöwen und Pelikane zu sehen gab.


Am nächsten Tag besuchten wir die etwas abgelegen befindliche Attraktion „La Portata“, eine bogenförmige Steinformation an der Küste. Anstatt einer großen Touristenattraktion fanden wir hier jedoch nur einen verlassenen und abgeschiedenen Platz mit Blick zum Meer. Der Bus hielt zwei Kilometer von diesem entfernt. Der Weg zum Strand war auch verschlossen und so blieb uns nur ein entfernter Blick über die Küste, la Portata und die Geier, die über uns kreisten.

Nachdem wir zwei Wochen an der Küste von Chile entlang gereist waren, war es nun an der Zeit die Wüste selbst kennenzulernen. Wir freuen uns schon euch bald von diesem Abenteuer zu berichten. 🙂

Sandige Grüße
Lisa & Anne

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Lisa Möller Verfasst von: