San Pedro in der Atacama-Wüste

Mit San Pedro erreichten wir unsere letzte Station von Chile. Aufgrund des Timings für den anstehenden Besuch von Felix und dem Wegfall des Besuchs von Iquique hatten wir nun acht Tage für die trockene Stadt und die Atacama-Wüste Zeit. So lange waren wir kaum einmal am selben Ort. Doch wir konnten die Zeit gut nutzen und nebenbei auch entspannen.

In unserem ersten Hostel, Mantra Desert Hostel, wurden wir gleich mit Bier und Pizza empfangen und auch die nächsten Abende waren in dem wohl kleinsten Hostel bisher sehr unterhaltsam und schön. Mal kochte ein Backpacker aus Italien Spaghetti Carbonara und einmal bereiteten wir mit dem Gießener Michael ein deutsches Festmahl vor: Serviettenknödel mit Pilzen sowie Eierkuchen und Apfelmus als Nachspeise. Ein anderer Abend wurde durch viele Cocktails versüßt, welche uns ein Freund des Hosts professionell zubereitete. Auch eine nächtliche Wanderung etwas außerhalb des Orts zum Bestaunen des dunklen Wüstenhimmels wurde uns ermöglicht. Das Hostel mussten wir jedoch nach vier Nächten wechseln, da sich der Betreiber selbst auf Reisen begeben wollte. Trotz der wohl niedrigsten Betten, Drei-Stockwerk-Betten in einem normalhohen Raum, hat uns das Hostel und die Atmosphäre so gut gefallen, dass wir gern noch länger geblieben wären.


Neben ein paar freien Tagen, in denen wir durch die Stadt bummelten, uns durch die Souvenirstände wühlten und lecker essen waren, unternahmen wir auch aufregende Touren in die Atacama-Wüste.

Unsere erste Tour führte uns durch die Trockenheit zur Laguna Cejar, welche salziger als das tote Meer ist. Hier mussten wir unbedingt ins Wasser springen, auch wenn es außerhalb ziemlich kalt war. Ausnahmsweise war ein bewölkter Himmel und die Kraft der Sonne fehlte. Zudem wehte noch ein kühler Wind. Doch es hat sich gelohnt. Es war ein witziges Gefühl, nicht untergehen zu können. Sofort vom kalten Wind trockengepustet, wurden wir vor lauter Salz am Körper bald ganz weiß und eine Dusche aus dem Wasserkanister war nötig.

Zum Sonnenuntergang besuchten wir außerdem die Laguna Tebinquinche. Die weißen Mineralien, wie Borax, lassen dabei fast einen Wintereindruck entstehen. Mit Pisco und Chips erlebten wir hier den wohl beeindruckendsten Sonnenuntergang unserer Reise.

Die zweite Tour brachte uns zum Valle de la Luna, dem Mondtal. Anders als in den übrigen Wüstengebieten waren hier spitze Gesteinsformationen durch Wind und Wetter geschaffen. Wir besuchten die Tres Marias (Drei Schwestern), eine große Sanddüne und machten eine kleine Wanderung durch einen engen Felsspalt, der zum Teil zu einer Höhle wurde. Auch bei dieser Tour genossen wir von einem Ausblick am Cojote-Stein aus den Sonnenuntergang.

Nach einem Tag Pause begann unsere dritte und früheste Tour. Als Abholzeit wurde 5:00 Uhr angeben und 20 Minuten eher aufstehen sollten uns doch locker reichen. Blöd nur, dass 4:41 Uhr bereits an unserer Tür geklopft wurde. Fünf Minuten später saßen wir schon im Bus, zum Glück waren wir ja gut vorbereitet und alles war gepackt. Mit einem Kleinbus fuhren wir eine reichliche Stunde durch die Dunkelheit und dabei ging es stetig bergauf. Auf einer Höhe von 4.200 m erreichten wir nach einer rasanten Fahrt unser Ziel, die Tatio-Geysire, und spürten die dünne Luft beim Atmen sehr. Neben der Höhenbelastung und Müdigkeit, hatten wir noch mit knappen Minusgraden zu kämpfen. Für diese Temperaturen gab unser großer Rucksack nur mit etwas Kreativität etwas her. Dennoch konnten wir die großen Dampfschwaden der kochenden Geysire bestaunen. Bei einem spritzte fast ununterbrochen eine drei Meter hohe Fontäne aus dem Boden. Gerade am frühen Morgen ist die thermale Aktivität besonders hoch und aufgrund der Kälte das Dampfen aus jedem Erdloch am besten zu erkennen. Lisa bekam die Höhe etwas mehr zu spüren und musste sich aufgrund kurzer Kreislaufprobleme ein wenig im Bus ausruhen. Mit Sonnenaufgang gab es auch ein kleines Frühstück und wir konnten uns endlich stärken (solange man vom Fotografieren die kalten Finger noch etwas bewegen konnte), bevor es zurück in den Bus ging.


Mit einer kurzen Fahrt erreichten wir ein warmes Thermalbad. Da wir die Höhe noch nicht gewohnt und etwas schlapp waren, entschieden wir, uns nur von der Kraft der Sonne aufwärmen zu lassen. Während der nächsten Busfahrt bekamen wir zudem Coca-Blätter zum Kauen, was uns bei der Höhe helfen sollte. Doch mehr, als dass der Mund dabei etwas taub wurde, passierte nicht. 🙂

Unser letzter Stop war in Machuca, einem Wüstendorf, welches ganz hoch gelegen war. Hier gönnten wir uns einen Mate-Tee, kosteten Lamafleisch und besuchten unter Schnappatmung die Kirche. Auf dem Rückweg sahen wir Vicuñas, die Wildform der Alpakas und Lamas. Auch hatten wir das Glück ein paar Vizcachas aus der Chinchillafamilie zu sehen.

Unsere letzte Tour, anders ist die Wüste ohne Auto leider nur schwer zu erkunden, dauerte einen ganzen Tag. Unser erster Stop war in einem Dorf, in dem wir erst einmal ein kleines Frühstück serviert bekamen. Nun waren wir bereit für den Besuch der beiden Lagunen Miscanti und Meniquez. Die vielen Farben inmitten der braungrauen Wüste waren sehr schön anzusehen. Noch besser gefiel uns aber die Laguna Tuyajto mit den Piedras Rojas (rote Steine) und den vielen weißen Mineralien. Durch die kühlen Temperaturen konnte man sich auch ein bisschen einbilden, als wäre dies Schnee. Im starken Wind kletterten wir über die roten Felsen, machten unzählige Fotos und freuten uns auch über Schaum am Lagunenrand, der bei dem Sturm über die Steine wehte.

Anschließend fuhren wir für unser Mittagessen wieder in das Dorf zurück, wo wir am Morgen bereits gefrühstückt hatten. Nach leckerem Quinoa, dessen Anbau besonders wüstengeeignet ist, mit Huhn ging es auf dem Heimweg noch zur Laguna Chaxa. Hier konnten wir nun endlich Flamingos ganz nah sehen. Jedoch hob kaum einer der Vögel interessiert den Kopf für uns. Ständig waren die Tiere mit dem Sammeln von Futter aus dem Wasser beschäftigt.

Nach unserer letzten Station und einem aufregenden Tag ging es wieder Richtung San Pedro. Einen ganz kurzen Rausschmiss gab es noch am offiziellen Beginn des Inka Trails. Damit hatten wir gar nicht gerechnet und wollten doch diesen wenige Wochen später mit einer Vier-Tages-Tour zum Machu Picchu erkunden. Doch die Entfernung bis dahin war noch weit. Jetzt freuten wir uns erst einmal auf ein leckeres Essen, eine warme Dusche und unser Bett.

Liebe Grüße
Lisa & Anne

Hier geht es zu den Wüsten- und Lagunenfotos!

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Anne Matthes Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. MuV Matthes
    24. Dezember 2016

    Liebe Anne und liebe Lisa,
    auch wir wünschen euch fernab der Heimat ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest. Habt eine schöne Zeit, schreibt fleißig weiter und genießt mal ein paar „freie“ Tage. Viel Spaß in den kommenden Wochen.
    Wir denken an euch und senden Tannenbaumgrüße von zu Hause.
    Fühlt euch umarmt. MuV

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