Adventure up high

Die Metropole La Paz liegt in einem Talkessel inmitten des Andengebirges und beherbergt den Regierungssitz des Landes und den höchsten Anteil der indigenen Bevölkerung Boliviens. Die traditionell gekleideten Frauen nennt man „Cholitas“. Zu erkennen sind sie durch ihr typisches Erscheinen: Die langen schwarzen Haare sind zu zwei Zöpfen geflochten und miteinander verknotet oder mit Kordeln beschwert, damit sie bei der Arbeit nicht wild umher wehen. Sie tragen Röcke, eine Schürze oder ein Tuch über den Schultern und einen meist zu kleinen, melonenartigen Hut, dessen Position auf dem Kopf etwas über den Beziehungsstatus der Frau aussagen soll. In ihren Kreisen spielen die Frauen eine wichtige Rolle als starke Arbeitskraft und zur Organisation von Haus und Hof. Unglaublich anzusehen ist es, was für schwere Waren die kleinen Frauen meist in einem Tuch auf ihren Schultern transportieren. Oft tragen sie darin aber auch ihre Kinder.

Wir landeten am 3. Dezember in La Paz, am höchstgelegenen Flughafen der Welt (diesen kannte Felix bereits etwas genauer, als er wagemutig direkt aus Deutschland auf diese Höhe geflogen ist – dabei musste er einen achtstündigen Aufenthalt überstehen). Bei unserer Fahrt vom Flughafen zu unserem Hostel konnten wir bereits einen Eindruck von den Dimensionen der Stadt erhalten. Die Straßen waren unfassbar steil, doch hier nahm keiner Rücksicht auf andere Autos. Unser Fahrer selbst schlängelte sich durch jede freie Lücke und machte sogar an vollen Kreuzungen und roten Ampeln nicht Halt.

Bei einem Ausflug zu einen Aussichtspunkt hatten wir einen noch besseren Überblick. In einem Talkessel gebaut, gibt es hier keine gerade Ebene. Die Stadt breitet sich an den Hängen der Anden aus, den Horizont zieren schneebedeckte Gipfel und ganz oben auf den Bergen liegt das flächige El Alto, die jüngste und schnell wachsende Stadt des Landes. Als Fortbewegungsmittel werden neben Bussen und Taxis auch Seilbahnen eingesetzt.

Unseren ersten Tag in La Paz, was übersetzt „Der Frieden“ bedeutet, nutzten wir für einen Stadtrundgang. Treffpunkt war der Platz San Pedro. Direkt daneben befindet sich das Gefängnis der Stadt, das quasi als eigene Firma mir vielen einzelnen Gewerben funktioniert. Hier arbeiten die Insassen, um die hohen Kosten für den Gefängnisaufenthalt zu bezahlen. Das Gefängnis ist zugleich der Hauptumschlagsort für Kokain. Frauen und Kinder können mit den Männern zusammenwohnen und das Gefängnis jederzeit frei betreten und wieder verlassen. Somit ist es ein leichtes Spiel für den Drogenhandel. Gebaut wurde das Gefängnis für 500 Insassen, wobei heute mehr als 2000 Personen hier leben müssen.

Da wir die Tour am Sonntag mitmachten, hatten wir das Glück, dass die Märkte gerade an diesem Tag geöffnet waren. Auf dem Rodriquez Markt verkauften Frauen alles mögliche, von Gemüse über Brot und Fleisch, Haushaltwaren, Putzmittel und Gewürze, Spielzeuge, Klamotten und Weihnachtsdeko. Außerdem gab es ein breites Angebot an verschiedenen Kartoffeln. Besonders auffällig waren kleine weiße Knollen, die in den Bergen in kaltes Flusswasser gelegt und somit wieder genießbar gemacht wurden. Es stellte sich heraus, dass dies getrocknete Kartoffeln waren.

Der nächste Markt, den wir besuchten, war etwas skurriler. Viele Bolivianer sind sehr abergläubisch. Vor allem glauben sie an Pacha Mama, Mutter Erde, welcher für alles eine Opfergabe unterbreitet wird. Beim Essen schüttet man einen Schluck seines Getränks auf den Boden. Beim Bau eines Hauses muss jedoch etwas Größeres herhalten, was man auf dem Hexenmarkt von La Paz findet: Getrocknete Alpakaembryos oder -babys. Beim Bau eines Hochhauses sollen angeblich auch menschliche Körper geopfert werden. Ob das noch stimmt?


An der San Francisco Church bekamen wir die Geschichte über die Kolonialisierung durch die Spanier erklärt. Am Plaza des Armas sahen wir dann das Gerichts- uns Parlamentshaus. Hier bekamen wir auch verrückte Geschichten über die Präsidenten des Landes erzählt. Bolivien hält mit 85 Präsidenten in 230 Jahren den Rekord für die meisten Präsidentenwechsel in der kürzesten Zeit. Auch der aktuelle Präsident macht mit fragwürdigen Bemerkungen auf sich aufmerksam, denn der Verzehr von Hähnchen macht aufgrund eingesetzter weiblicher Hormone ja bekanntlich schwul. :-O



Am Nachmittag besuchten wir den Friedhof der Stadt. Für die vielen Millionen Menschen, die hier leben, gibt es nur einen offiziellen Friedhof, der dementsprechend sehr platzsparend und auf mehreren Ebenen aufgebaut ist. In den Hügeln der Stadt findet man jedoch noch viel mehr und größere, inoffizielle Friedhöfe.

Mit einer der Gondeln fuhren wir nach El Alto und liefen einmal über den größten, freien Markt Südamerikas. Hier sollten wir jedoch sehr auf unser Hab und Gut und vor allem unsere Gruppe achten, sodass wir eher über den Markt rasten und gar keine Zeit zum Herumschauen hatten. Wir wurden dabei vor einer verwunderlichen Masche gewarnt: Wir sollten keine Babys (Täuschung mit Puppen) auffangen, die herunterzufallen scheinen oder uns zugeworfen werden. Im Anschluss fand dann ein unterhaltersamer Punkt der Tour statt: Das Cholita-Wrestling. Hier kampelten sich die indigenen Frauen miteinander.

Am nächsten Tag liefen wir die Runde der Stadtführung noch einmal ganz in Ruhe ab, kauften Souveniers, besuchten das Coca-Museum und buchten eine Tour für den nächsten Tag. Anne und Felix wollten die Death Road herunterfahren und Lisa entschloss sich für einen Ausflug nach Tiwanaku zu alten Tempelruinen.


Death Road

Zum Nikolaustag standen also Felix und Anne etwas zeitiger als Lisa auf, um 6:45 Uhr bereit für die Tour zur Death Road oder Ruta de la Muerta bereitzustehen. Nach einer ca. einstündigen Autofahrt kamen die Beiden auf einer Höhe von 4.700 Metern an ihrem Startpunkt an. Über Asphalt ging es die ersten 20 Kilometer stetig und rasend schnell bergab. Dies gab Zeit, das fremde Fahrrad kennenzulernen, welches in der Tat mit tiefem Sattel und allen nötigen Federungen ungewohnt war. Jedoch starteten wir inmitten nasser Wolken und die Luft war eisig kalt. Selten haben wir je so gefroren und hofften, dass die Finger allzeit noch zum Bremsen funktionierten. Schließlich erreichten wir aber noch ein kleines Dorf, wo bereits warmer tröstender Kaffee und ein Avocadobrötchen auf uns zur Stärkung warteten.

Unsere Räder wurden währenddessen auf unseren Kleinbus verladen, welcher während der Fahrradfahrt immer hinter uns bleiben sollte, damit wir die nächsten acht Kilometer, in denen es bergauf und bergab ging, im Auto schneller überwinden konnten – keine Anstrengungen zu viel für die Touris! Doch schließlich waren wir am richtigen Beginn der Death Road angekommen. Etwas steiler und holpriger ging es nun keinen Asphalt mehr entlang und immer weiter bergab. Eigentlich sollten auf dieser einst gefährlichsten Straße der Welt (gern könnt ihr an dieser Stelle interessante Bilder ergoogeln) gar keine Autos mehr fahren. Dennoch kamen Privattouren mit Jeeps die Straße entlang und auch Einheimische nutzten diese weiterhin, da die neu gebaute Umgehungsstraße natürlich etwas länger war. Wir hielten ab und zu für Erklärungen und Hinweise zu den nächsten Streckenabschnitten oder Fotos. Doch schon auf den ersten Metern, als der Guide gerade etwas vorweggefahren war, stieg Anne einmal grazil über den Lenker ab – bis heute ist dieser Sturz nicht ganz zu erklären. Es tat zwar kurz weh, aber hinterher haben wir viel viel mehr darüber gelacht, denn überlebt hat Anne die Todesstraße ja dennoch!

Wir fuhren durch Wasserfälle hindurch und mussten auch fünf Schlammlawinen überqueren, die zwei Tage zuvor durch starken Regenfall entstanden waren. Dabei kamen wir immer tiefer und es wurde immer wärmer.

Nach weit über 3.000 Metern Höhenunterschied kamen wir schließlich im tropischen Klima des Regenwalds wohlbehalten und als Survivor am Ende der Death Road an. Wenige Zeit später stärkten wir uns in einem Hotel bei leckerem Buffet und traten schon bald die Heimfahrt an.


Tiwanaku

Die Herrschaftsperiode von Tiwanaku geht weiter als die Zeit der Inkas zurück. Nahe des Titicacasees lag wohl die Hauptstadt dieses Reiches, die Lisa nun an einem Tag besuchte. Besonders beeindruckend waren die Monolithe, bis zu acht Meter hohe, verzierte Steinblöcke, die aber mit dem Einzug der Spanier fast alle zerstört oder mit christlichen Symbolen verunstaltet wurden. In der Ausgrabungsstätte, die außerhalb der Regenzeit noch immer betrieben wird, gab es viele Ruinen und Fundamente der Tempel zu sehen. Die Hauptaussage unseres Guides war an dieser Stelle jedoch „Kommt in ein paar Jahren wieder, dann seht ihr mehr.“ Na mal sehen!

Übrigens: In Bolivien gibt es dieses leckere Gericht: Salteñas. Das sind mit Fleisch, Zwiebeln, Kartoffeln, Ei und leckerer Soße gefüllte Teigtaschen. 🙂

Allerliebste Grüße
Anne & Lisa

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Lisa Möller Verfasst von:

2 Kommentare

  1. Mathias
    28. Dezember 2016

    Also ich bin eigentlich kein Angshase, aber auf dieser Dead Road hätte ich mich nicht freiwillig lang bewegen können. Das erinnert mich an den Grand Canyon, dort war es auch so gruselig. Na Ihr macht das schon 🙂

  2. Felix
    30. Dezember 2016

    Lisa haben die Saltenas auch geschmeckt 😉 … nicht ^^

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