Durch die Salzwüste und Lagunen

Am 25. November begrüßten wir nicht nur unser nächstes Reiseland Bolivien, sondern auch Annes Bruder Felix. Er sollte uns nun für knapp einen Monat begleiteten. Wie wunderbar!

Bevor wir aber Felix in die Arme schließen konnten, mussten wir erst einmal die Grenze nach Bolivien überqueren und anschließend die kleine Stadt Uyuni erreichen. Dorthin brachte uns ein Transfer, der uns vom Hostel abholte und zu allen wichtigen Stationen für die Aus- und Einreise fuhr. Die bolivianische Grenzkontrolle war dabei die kurioseste, die wir bisher gesehen hatten: Ein kleines Häuschen, eine Schranke und sonst Nichts! Nur kilometerweite Wüste. Sogar die betonierte Straßen aus Chile endeten direkt an der Grenze.

Hier warteten bereits viele Jeeps, die ihre Tour durch die Salzwüste von Uyuni beendeten. Die Wüste ist eine beliebte Route, wenn man zwischen den Ländern Chile und Bolivien wechseln möchte. Dabei bietet es sich an, gleich eine Tour zu buchen, welche wir jedoch mit Felix gemeinsam machen wollten. In solch einen Jeep stiegen wir schließlich ein und durften nun für fünf Stunden die Knie an die Ohren ziehen und auf der Rückbank die holprigen Straßen überstehen. Zweimal mussten wir uns sogar auf Hinweis unseres Fahrers ducken und verstecken, um die Gebühr für den Nationalpark zu umgehen. Egal, denn eigentlich mussten wir diese in den nächsten Tagen sowieso bezahlen. Aber den Spaß war es uns wert! An diesem Tag fuhren wir den dritten Teil der Salzwüsten-Tour ab, die wir schon einen Tag später selbst antreten sollten.

Aber erst einmal begrüßten wir Felix in Uyuni – Bolivien! Dieser wartete bereits angeschlagen von der Höhe im Hostel auf uns. Aber auch wir merkten mit jeder Treppenstufe, dass uns die 3.653 Höhenmeter, auf denen wir uns befanden, nicht kalt ließen.

Nach dem Wiedersehen und der großen Freude über Felix und die mitgebrachten Süßigkeiten aus Deutschland (Danke Familie Matthes! 🙂 ), sahen wir uns die Stadt an und suchten nach einer der dreitägigen Touren durch die Salar de Uyuni und angrenzenden Lagunen. Schnell wurden wir fündig, denn an jeder Ecke wurden die fast identischen Ausflüge verkauft. Einen davon buchten wir am nächsten Morgen vor Antritt und konnten sogar einen erheblichen Discount herausschlagen. Noch billiger wurde es, da unser Jeep anstatt mit sechs nun mit sieben Reisenden losfahren sollte. Machbar, aber nicht angenehm! So diskutierten wir kurz mit den Chef und schlugen tatsächlich für alle Mitfahrenden noch einmal 50 Bolivianos heraus. Da Lisa nach kurzer Erwärmung den lautesten Ton anschlug, brauchten wir bald schon nichts mehr zu sagen.

Dann ging es auch schon los: Das erste Ziel war ein alter Eisenbahnfriedhof am Rande der Stadt. Hier erkundeten wir die verrosteten Eisenbahnen und erkletterten einige Waggons.

Nach dem Besuch auf dem kleinen Souveniermarkt Colchani ging es direkt in die Salzwüste von Uyuni. Der Boden auf dem wir fuhren, war nun kein brauner Dreck mehr, sondern weißes Salz! Die Salar de Uyuni ist mit über 10.000 Quadratkilometer Ausbreitung die größte Salzebene der Welt (gefolgt von der Salar der Atacama an dritter Stelle, die wir bereits in Chile besuchten). Wir fuhren durch die faszinierende und unbegreifliche Landschaft, sahen Kilometer um Kilometer nur Weiß und passierten aufgetürmte Salzpyramiden, Salzblöcke und ein Hotel, das ganz aus dem weißen Gold gebaut worden war. Hier bekamen wir auch zum ersten Mal unser üppiges Mittagessen serviert.

Einen grandiosen Blick über die von Vulkanen und Bergen gesäumte weiße Landschaft hatten wir von der Isla de Pescado, einer „Insel“ inmitten der Salzebene mit unzähligen, riesigen Kakteen. Über diese wanderten wir eine Stunde, was uns bei der Höhe schnell außer Atem brachte!

An dieser Station kamen auch unsere letzten beiden Fahrgäste mit an Bord des Jeeps. So war das Auto nun mit uns Dreien sowie zwei Niederländern und zwei Österreichern besetzt. Moises, unser Fahrer, war Mann acht im Auto.

Nach ein paar witzigen Fotos, bei denen wir mit der trügerischen Perspektive spielten, war der Tag auch schon vorbei und wir brachen zum Sonnenuntergang auf.

Hinter den Bergen senkte sich der rote Feuerball zum Horizont und färbte den Himmel und den Boden rosa. Langsam wurde es immer kälter und wir waren froh, bald in unserem Salzhotel anzukommen.

Mit höhenbedingten Kopfschmerzen starteten die meisten von uns in den nächsten Tag. Trotzdem waren alle motiviert und gespannt auf die kommenden Ereignisse und die faszinierende Natur. Nach einem zeitigen Frühstück ging es los, wir sprangen in den Jeep, starteten und … blieben nach einer 15-minütiger Fahrt im Schlamm stecken – und das in der Wüste! Doch wir waren zum Glück nicht allein und schon bald konnte uns ein Traktor, der zufällig vorbeigekommen war, herausziehen. Damit hatten wir also Glück im Unglück.

So konnten wir doch noch mit unserer Erkundungstour zu den Lagunen starten. Nach der Durchquerung der Salar de Chiguana hielten wir an einer Reihe kleinerer Lagunen. Hier hatten wir stets ein wunderschönes Bergpanorama mit erloschenen und aktiven Vulkanen vor uns. Durch das Wasser wateten hunderte Flamingos auf der Suche nach Fressen und an einige von ihnen kamen wir auch endlich ganz nah heran.

Nach einem Stop am „Baum aus Stein“ und weiteren skurrilen Steinformationen fuhren wir zur Laguna Colorado. Von oben hatten wir hier einen Blick auf die vielen verschiedenen Farben des Sees. So langsam merkten wir aber auch, dass wir immer mehr Höhenmeter zulegten. Das Atmen fiel schwerer und jeder Schritt strengte an. Vor alleim bei eiligen kleinen Ausflügen zur persönlichen Erleichterung wurde uns so manchmal beinahe schwarz vor Augen. Anstrengend!

Besonders stark bekamen wir das bei den Geysiren zu spühren, der letzten Station am Abend. Auf ca. 5.000 Metern gelegen dampfte es aus allen Ecken und Lisa und Felix entschieden sich lieber im Auto sitzen zu bleiben. Die Luft war einfach zu dünn und die Höhe machte ihnen deutlich zu schaffen. Anders als in der Atacama-Wüste stank es zudem nach faulen Eiern. Pfui!

Bald schon kamen wir in unserer Unterkunft für die zweite Nacht an. Elektrisches Licht gab es hier nur für ein paar Stunden nach Einbruch der Dunkelheit, so dass wir den ersten Teil unseres Abendbrotes im Halbdunkeln verspeisen mussten. Anschließend ging es noch auf ein Bad in die heißen (oder eher warmen) Quellen nach draußen. Mit einer Flasche Wein und unserer Gruppe verbrachten wir einen geselligen Abend, bevor wir bei den fröstelnden Temperaturen 100 Meter zurück zum Hostel eilen mussten.

Der letzte Tag war uns nun bereits bekannt. Unser erstes Ziel war die bolivianische-chilenische Grenze. Auf dem Weg dahin durchquerten wir die Salvador-Dalí-Wüste, bei der die Berge verschiedene Farbtöne hatten und viele durch Sand und Wetter interessant geformte Steine herumstanden.

Die letzte Lagune an diesem Tag war die Laguna Verde. Dann schon ging es wieder zum Grenzübergang. Nach einem kurzen Besuch in Chile und der Verabschiedung der Niederländer fuhr der Rest von uns zurück nach Uyuni.

Vorbei ging es dabei an einem Tal voller Lamas, wo wir auch den typischen südamerikanischen Strauß (Nandu, dieser versteckt sich im ersten Bild rechts zwischen den Büschen!) entdeckten. Nach einer Pause im Vallee des Roches und San Cristóbal erreichten wir endlich Uyuni.

Die ganze Tour war wirklich wunderschön gewesen! Vor allem die Salzwüste war sehr beeindruckend und anders als alles, was wir bisher gesehen hatten. Wir freuen uns immer wieder aufs Neue, fantastische Landschaften auf der Reise zu entdecken! Zudem war unsere Truppe wieder super. Auch wenn wir mit einem Mann zu viel an Bord manchmal etwas kuscheln mussten, hatten wir doch jede Menge Spaß!

Doch nach diesem tollen Erlebnis mussten wir erstmal eine kleine Pause einlegen. Bei einem Restaurantbesuch am Abend nach der Tour hatten wir uns das Grauen jedes Südamerikareisenden eingefangen. Mit einer Lebensmittelvergiftung konnten wir erstmal nicht weiterreisen. Zum Glück ging es Felix noch einigermaßen gut, sodass er sich ein wenig um uns und die Weiterreise kümmern konnte. Am nächsten Morgen waren wir dann auch wieder halbwegs fit und konnten weiterfahren.

Liebste Grüße
Anne & Lisa

Hier geht es zu allen faszinierenden Bildern der Salzebene und Lagunen!

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Lisa Möller Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Mathias
    28. Dezember 2016

    Traumhafte Tour & traumhafte Fotos. Und dann auch noch mit Annes Bruder. Großartig. Weiter so!

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