Durch die Wolken ins Inkareich

Ein lang geplanter Abschnitt unserer Reise begann für uns in Cusco, der alten Hauptstadt des Inka-Reichs, auf den wir uns schon seit acht Monaten freuten, vor dem es uns aber auch ein wenig graute…


Cusco

Aber alles von Beginn an: Am 11. Dezember erreichten wir Cusco und bezogen unsere Unterkunft, in der uns Hund und Katz begrüßten und ihre Duftnote vor unserem Zimmer hinterließen, schön! Nach dem Wechsel in ein unschimmliges Zimmer konnte die Erkundung von Cusco endlich beginnen. Umgeben von vielen alten Kolonialbauten aus braunen Ziegeln, Straßenverkäufern und bunten Lichtern, die der Weihnachtszeit zu verschulden sind, verbrachten wir einen gemütlichen Abend. Bei der Umrundung des Plaza de Armas, des Hauptplatzes, bekamen wir mit jedem Meter, den wir liefen eine neue Tour zu alten Inkaruinen oder einen Platz in den Restaurants angeboten. Nervig, warum muss man als Touri immer so auffallen?

Ändern tat sich das auch nicht bei Tageslicht. Im Gegenteil, jetzt bekamen wir auch noch Rundfahten mit dem Doppeldeckerbus durch die Stadt angeboten. Komisch, dass wir nie so einen Bus herumtuckern sahen. Aber wir bestritten unseren Rundgang durch die Stadt lieber per Fuß. Die Route dafür lieferte Felix Reiseführer. Wunderbar! Dazu gab es auch noch reichlich Informationen zu den Straßen und Sehenswürdigkeiten. Felix wurde damit promt als Tourguide engagiert. Wir liefen an den vielen alten Kirchen vorbei (Der Eintritt war immer viel zu teuer, aber ein, zwei Mal kamen wir auch aus Versehen kostenlos rein. Hupps…), durch die schmalen Gassen der Altstadt und die steilen Straßen zu einem Aussichtspunkt hinauf.


Auf dem Weg kamen uns immer wieder traditionell gekleidete, indigene Frauen entgegen, die Lamas und Lämmer durch die Straßen zogen. Die mit Blumenmützen und Bommeln geschmückten Tiere sollten dabei als Fotomotiv für zahlende Touristen herhalten.

Am dritten Advent gab es an vielen Ständen auf den Hauptplätzen ein zu Weihnachten traditionelles Gericht zu kaufen. Anstatt Gans oder Ente kommt hier ein haariger Nager auf den Tisch, ganz unschwer an den langen Schneidezähnen zu erkennen.

Auf den vielen Souvenieremärkten deckten wir uns mit warmen Socken, Handschuhen und Mützen ein, denn für die nächsten Tage waren kühlere Temperaturen angesagt und wir hatten Großes vor! Ab dem 14. Dezember traten wir die Wanderung entlang des berühmten Inka Trails an. Unser Ziel: Die alte Stadt der Inka, Machu Picchu!


Der Inka Trail

Bevor wir anfangen, sei gesagt: Es gibt einfach viiiel zu viel zu berichten! Die Bilder zu diesem Beitrag bezeugen, dass viel passiert ist und beim Durchgucken fallen uns immer mehr Erlebnisse ein… Doch diese würden das Ausmaß dieses Bloges sprengen. Also hier nur ein kleiner Abriss unserer Wanderung:

Wir legten bei unserer Tour zum Machu Picchu 45 Kilometer und unzählige Treppenstufen zurück. In einer Spanne von 1.600 Höhenmetern ging es dabei ständig berauf und bergab. Nach einer Frühstückspause gab es einen weiteren Stop, bei dem wir unsere dicken Schlafsäcke und Isomatten bekamen. Hier wurden auch Utensilien, die wir die nächsten Tage benötigten, unter den Portern aufgeteilt. Aber dazu später mehr.

Nach einer letzten kurzen Fahrt erreichten wir Kilometer 82, den Beginn unserer Wanderung. Voller Kraft und frohen Mutes posierte unsere Gruppe aus elf Personen aus ganz Europa und Mexico vor dem offiziellen Start des Pfades.

Und dann ging es endlich los, bei bestem Wetter und noch besserer Laune. Von unserem Guide Francisco bekamen wir Weisheiten über die ansässigen Pflanzen und ihren Einsatz in der Inkazeit erklärt. Wir spazierten zwischen alten Inkaruinen hindurch und warfen einen Blick auf das Sacret Valley. Ständig waren wir von den weißen Gipfeln der Anden und Gletschern umgeben. Wie klein man sich zwischen diesen riesigen Gipfeln vorkommt!

Zum Abendessen bekamen wir die wichtigsten Begleiter auf der Wanderung vorgestellt: Die Porter. Auf uns elf Wanderer kamen ungefähr die selbe Anzahl an Trägern, die unsere Zelte, das Essen, die Ausrüstung und noch viel mehr herumtrugen. Verrückt! Denn auf die kleinen Peruaner kamen nicht selten über 33 kg Gewicht pro Person. Ihre „Rucksäcke“ waren fast größer als sie selbst. Doch mit schnellem Schritt sprinteten sie die Berge hinauf, vorbei an den schnaufenden Touristen. Wir erfuhren, dass die meisten der Porter diesen Job bereits seit vielen Jahren machen, obwohl sie nur selten älter als wir selbst waren. Ein bis zwei Mal im Monat schleppen sie sich dann den Inka Trail entlang, um ihren Verdienst auf den Feldern ihrer traditionellen Komunen aufzustocken. Respekt!

Nach dem wir am ersten Tag zehn Kilometer zurückgelegt hatten, schliefen wir noch mit viel Kraft und Tatendrang ein. Doch wir wussten schon, dass sich das vor allem am nächsten Tag ändern würde.

Den folgenden Abschnitt begannen wir bereits bei leichtem Regen. Für heute standen zwölf Kilometer auf dem Plan. Eigentlich nicht viel, jedoch mussten wir erst 1.200 Höhenmeter hinauf und dann wieder 200 Meter herunter wandern. Zum Glück hatten wir uns noch am vorherigen Tag mit Wanderstöcken ausgestattet. Auch hatten wir dieses mal ziemlich viel Gepäck in unseren großen Rucksäcken dabei: Schlafsack, Matratze, etwas Proviant und viele warme Sachen. In drei Abschnitte eingeteilt liefen wir den anstrengensten Teil der Strecke in unserem eigenem Tempo. Schritt für Schritt bewältigten wie den Berg und den andauernden Regen, der diesen Tag nicht stoppte und uns völlig durchnässte. Dieser ließ uns bei der großen Höhe in den Pausen auch ordentlich bis auf die Knochen durchfrieren.

Der erste Abschnitt führte durch einen Wald. Hier begann auch der ursprünglich erhaltene Inka-Pfad. Das bedeutete vor allem: Stufen. Vorbei an Bachläufen und saftig grünen Bäumen erledigen wir die ersten vier Kilometer ganz problemlos. Aufgrund des schlechten Wetters verkürzten wir die erste Pause und liefen gleich weiter.

Nun wurde es immer anstrengender. Der letzte Abschnitt des Death Woman Path war sehr steil und die dünne Luft in dieser Höhe machte einigen zu schaffen. Emma aus England musste dabei bei einer kurzen Pause sogar Gebrauch von ihrem Sauerstoff-Spray machen. Dabei hatte sie einen konzentrierten Blick, dann gab es ein lautes Zischen und danach eine verwundert abwartende Haltung ihrerseits. Zufällig war die ganze Gruppe in dem Moment erstummt und jeder beobachtete Emma unbewusst, aber sehr genau. Als uns diese merkwürdige Situation auffiel, mussten wir alle lachen. Auch Emma. Die Britin und ihr Freund waren noch gar nicht an die Höhe gewöhnt, schafften jedoch tapfer die gesamte Tour. Wow. Bald schon sehen wir den Gipfel des höchsten Punktes, doch um diesen über den steilen Weg zu erreichen, benötigten wir länger als gedacht. Oben angekommen machten wir kurz ein Beweisfoto und liefen wieder schnell weiter. Ausblick gab es hier eh nicht. Aufgrund des schlechten Wetters sahen wir nur eine weiße Wolkenwand.

Die letzte Stunde – oder doch weniger oder länger – ging es nur noch bergab. Auf den rutschigen Stufen war Vorsicht geboten. Wieder einmal waren wir für unsere Wanderstöcke dankbar. Doch nach sieben Stunden Wanderung erreichten wir endlich unser Camp.
Durchgefroren und erschöpft. Und leider gab es auch nirgendwo einen trockenen Platz zum Aufwärmen und Sachen trocknen. Doch nun gab es erst einmal Mittagessen, um sich zumindest von Innen aufzuwärmen! Da wir bereits vor sieben Uhr losgewandert waren, hatten wir noch den halben Tag vor uns. Diesen verbrachten wir mit Essen und Schlafen. Nach dem Mittag gab es einen Snack mit Kaffee, Tacos und Popcorn. Alles super lecker! Unglaublich was der Koch auf dieser Höhe ohne richtige Küche zaubern konnte. An dieser Stelle ist auch zu erwähnen, dass wir über unser großes Gepäck sehr glücklich waren. Denn ein komplettes trockenes Outfit hatten wir somit für den nächsten Tag noch parat und mussten nicht frieren.

Lisa zog sich deutlich geschafft von der Höhe nach der Zwischenmahlzeit wieder ins Zelt zurück, doch bekam davor noch ein Mittel gegen Höhenkrankheit, d.h. sie durfte an einer alkoholisch riechenden Flüssigkeit schnuppern.

Den Machu Picchu und uns trennt nun nur noch ein Tag. Die Tagesaufgabe für Tag Drei: Herunter laufen. Treppenstufe für Treppenstufe für Treppenstufe. Wir wanderten durch den Wolkenwald und wieder konnten wir nicht viel von der Landschaft sehen. Der Cloud-Forest machte seinem Namen alle Ehre! So führte unser Weg einfach nur durchs Weiße hindurch, gesäumt von exotischen Pflanzen. Doch auch das hatte eine ganz besondere Atmosphäre und war sehr mystisch, auch wenn wir manchmal schon gern etwas Ausblick genossen hätten.

Wir passierten einen Inka-Tunnel und besuchten viele Inkaruinen. Zum Ende des Tages stiegen die Wolken etwas höher und endlich konnten wir etwas von den Bergen um uns sehen. Am Abend sahen wir ihn dann auch endlich: Den Machu Picchu Montain. Ziel unserer Reise und nun ganz nah! Dahinter verbarg sich die geheimnisvolle Stadt der Inka.

Unser Nachtlager lag nun bereits vor dem Eingang des Berges: In Inti Punku, wo wir einen Blick ins Tal und auf die Stadt Aquas Calientes hatten. Von letztgenannter Stadt sollte uns der Zug am nächsten Tag zurück in die Zivilisation bringen.

Am letzten Abend genossen wir eine eiskalte Dusche und wir verabschiedeten uns von unseren Portern, die am nächsten Morgen um fünf den Zug hinunter ins Tal nehmen würden. Das bedeutete für uns um drei aufstehen, Snackbox anstatt Frühstück und loslaufen. Ein paar Treppenstufen hinunter durch die finstere Nacht und dann: Warten. Zwei Stunden warten auf den Ranger, der die Tür um 5:30 Uhr zum Machu Picchu öffnete. Die meisten von uns schliefen auf der Bank, machten hier ihre Morgenwäsche oder unterhielten sich bereits viel zu wach und aufgeregt. Aber alle gemeinsam freuten wir uns zum Sonnenaufgang auf die alten Ruinen von Machu Picchu zu blicken. Ach wäre doch die Aufregung in diesem Moment größer als die Müdigkeit gewesen!

Doch als dann das Tor öffnete, liefen wir alle motiviert los! Noch 1,5 Stunden bis zum Sonnentor! Wir übernahmen die Spitze unserer Gruppe. Von Müdigkeit war hier keine Spur und die Strapazen der letzten Tage waren vergessen. Jetzt zählte nur noch der Machu Picchu, der alle Anstrengung bezahlt machte. Wir wanderten durch den magischen Dschungel, rechts von uns fiel der Berg steil nach unten ab und nachdem wir die 50 Stufen der Monkey Steps erklommen hatten, war es nicht mehr weit.

Am Sonnentor hatten wir nun den ersten Blick auf unser Ziel. Erst lag noch alles in den Wolken, doch nach und nach gaben diese den fantastischen Blick frei! Da lag sie vor uns, die Ruinenstadt in Nebel getaucht. In der Mitte thronte ein riesiger Baum. Der sich dahinter befindende Berg war noch immer weiß, wie wegradiert. Was für ein Anblick! Nun waren wir noch aufgeregter, als wir die letzten Kilometer zum Eingang des Unesco Kulturerbes liefen.

Hier begrüßte uns sofort ein freundliches Lama, das wir mit Crackern fütterten. Nach ein paar Minuten Aufenthalt für erste Fotos begann unsere Führung durch die Ruinen. Alles sehr interessant und faszinierend, nach welchen Aspekten und mit welcher Präzession die alten Inkas ihre Häuser und Tempel gebaut haben. Gedrückt wurde die Stimmung nur von der schlechten Laune von Francisco, die anders als die letzten Tage nicht mehr freundlich und euphorisch war, sondern eher genervt und miesepeterich. Hatten wir ihn etwa damit gekränkt, dass wir ihm weniger Trinkgeld als den Portern gegeben hatten? Egal, nach einstündiger Führung verabschiedeten wir uns und erkundeten die Stadt auf eigene Faust.

Nach den vergangenen Tagen im Regen meinte es das Wetter nun außerordentlich gut mit uns, die Sonne prasselte vom Himmel und ließ uns bei jeder Treppenstufe schwitzen. Vor allem als wir noch einmal den Weg nach oben liefen, um Fotos mit den Lamas zu machen (zumindest wollte Lisa das unbedingt und Felix, Anne und Gisam mussten mit). Nach ein paar Schnappschüssen und angedrohten Spuckattacken musste Lisa einsehen, dass sie ihre Liebe zu Lamas schwer bezahlen musste: Ihre Beine waren von kleinen Fliegen oder Insekten blutig gebissen. Das sah auch in den nächsten Wochen nicht schön aus und juuuuckte vor allem! In Zukunft wird nur noch in langen Hosen mit Lamas gekuschelt.

Nach ausgiebigem Erkunden der Ruinen nahmen wir den Bus herunter nach Machu Picchu Town alias Aguas Calientes. Hier aßen wir eine Kleinigkeit und sahen vom Restaurant einen der Züge, der uns auch bald zurück bringen sollte. Die Schienen verlaufen hier direkt durch die Stadt, an den Geschäften und Restaurants vorbei.

Auf unserer Heimfahrt passierten wie noch einmal viele Inkaruinen, die wir bereits besucht hatten, kamen an Kilometer 82, unserem Startpunkt, vorbei und genossen einfach die schöne Aussicht. Somit war also auch dieser lang ersehnte Abschnitt unserer Reise vorbei. Etwas wehmütig, aber dennoch froh und geschafft erreichten wir Cusco. Hier stand noch die Verabschiedung unserer Mitwanderer an, bevor sich alle aufteilten und den schnellsten Weg zur erstbesten heißen Dusche einschlugen.

Geschaffte Grüße
Anne & Lisa

Hier geht es zu den Bildern von Cusco und den viiiielen Fotos von Felix zum Inka Trail!

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Lisa Möller Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. Mathias
    16. Januar 2017

    Fantastisch!!

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