Panama City

„Oh wie schön ist Panama“ – Das herauszufinden war unsere Aufgabe für die nächsten 18 Tage, in denen wir den kleinen Karibikstaat erkundeten. Wir wollten prüfen, ob der kleine Bär und der kleine Tiger mit ihrer Tigerente recht behalten. Nach dem ewigen braun und gelb der Wüste und des Andengebirges freuten wir uns auf saftig grüne Wälder, türkises Wasser und bunte Blumen- und Unterwasserwelten.

Groß war die Freude bereits, als wir mit dem Flugzeug den Landeanflug über Panama City begannen. Hier gab es mit grünen Mangroven und Palmen gesäumte Küstenlinien. Als wir ausstiegen, merkten wir bereits wie schön Panama ist. Schön klebrig! Wie sehr hatten wir die tropischen Temperaturen vermisst, die gleich nach Strand und Meer riefen. Zwar mussten wir uns erst einmal an die schwüle Hitze gewöhnen, aber sie gehört hier einfach dazu.

Mit den ersten Dollar in der Tasche fuhren wir mit dem Taxi an der beeindruckenden Skyline vorbei, die bereits im Dunkeln leuchtete. Dabei ging es über eine Brücke im Pazifik, an übertrieben weihnachtlich geschmückten Plätzen und Einkaufszentren vorbei. In unserem Hostel sehnten wir uns die Stunde zur Aktivierung der Klimaanlage herbei und merkten ganz schnell: Unser täglich Brot in Panama werden Pfannkuchen. Die gibt es hier nämlich fast in jedem Hostel zum Frühstück.

Die größte Berühmtheit hat das schmale Land zwischen Pazifik und Atlantik sicher durch den Panamakanal gewonnen, der durch die engste Stelle des Landes führt, also auch durch Panama City. Den Besuch dieses ingenieur- und bautechnischen Meisterwerkes ließen auch wir uns nicht entgehen, auch wenn wir erst skeptisch waren. Nachdem wir diese Attraktion aber wiederholt empfohlen bekommen hatten, ging es los! Doch als wir am Ticketschalter standen, staunten wir nicht schlecht – 15 Dollar bezahlen, um Schiffen dabei zuzuschauen, wie sie durch einen engen Kanal fahren? Nagut, wenn wir schon mal hier sind… Doch als wir sahen, wie sich die gigantischen Kolosse mit den riesigen Containern und den kleinen Leuten hoben, senkten und von kleinen Helferwägelchen an den Betonmauern vorbeigezogen wurden, war das schon ein imposantes Bild! Schade nur, dass man das alles nur über den Köpfen anderer Menschen hinweg beobachten konnte und die beste Aussicht ausschließlich durch kleine Handybildschirme des Vordermannes hatte.

Nachdem sich die dicken Schleusentore geöffnet hatten und alle fleißig dem Kapitän und seiner Crew zugewunken hatten, schwärmten die Masse ins Kanalkino und ins Museum. Hier gab es noch einmal interessante Informationen über den verlustreichen Bau des Kanals durch die USA, die Funktionsweise, die Erweiterung für NOCH größere Schiffe und Zukunftsvisionen. Alles in allem ein sehr lohnenswertes, wenn auch teures, Erlebnis.

Den weiteren Teil des Tages wurden wir von Annes ehemaliger Klassenkameradin Vanessa begleitet, die schon seit einigen Jahren in Panama City lebt. Mit ihr hatten wir den besten City-Guide an unserer Seite. Sie brachte uns durch die „schlimmen Viertel“ zu einem tollen Aussichtspunkt der Stadt: Cerro Ancón.


Vorbei am Verwaltungsgebäude des Panama-Kanals liefen wir über die abgetragene Erde des Kanalbaus. Denn damit wurde eine Straße in den Pazifik gebaut, welche drei kleine Inseln mit dem Festland verbindet. Hier ließen wir den Tag ausklingen, aßen eine Fleischplatte mit Patacones (gestampfter und frittierter Kochbanane). Dazu gab es einen leckeren Cocktail.

Das Meer hatten wir auf diese Weise schon gesehen. Es wurde also Zeit, dass wir auch den ersten Dschungel auscheckten! Zum Glück befand sich einer von vielen Nationalparks direkt in Panama City. Den Parque National de Metropilitana erkundeten wir mit in den Nacken gelegtem Kopf auf der Suche nach Faultieren. Alleine fanden wir jedoch nur ein paar Vögelchen und Raupen. Das tierische Highlight an diesem Tag waren aber auf jeden Fall die Blattschneiderameisen, die riesige Autobahnen durch den ganzen Wald pflügen.

Am Ende einer dreistündigen Wanderung, bei der wir alle Pfade des Parks abliefen, vorbei an exotischen Pflanzen, hohen Bäumen und vielen bunten Schmetterlingen, trafen wir noch einen Ranger. Dieser zeigte uns doch noch ein lang ersehntes Faultier. Ein Mutterfaultier mit ihrem Baby durften wir mit dem Fernglas in den Baumwipfeln beobachten und ein anderes faules Tier grinste uns ganz aus der Nähe an. So wirklich niedlich sind die Tiere ja nicht, dafür ein wenig witzig und mitleidig – was sie dann auch schon wieder niedlich macht. Außerdem fand Anne heraus, dass Schildkröten Cracker lieben und doch nicht so langweilig sind.

Mit diesen Erkenntnissen brachen wir in die Altstadt auf. Aus der Metrostation hinaus ging es erst einmal durch eine Straße, in der es viele Geschäfte und Straßenstände für die einheimische Bevölkerung gab, an denen Klamotten, Sonnenbrillen und Grillwürstchen (die nach Annes Angaben überraschend gut waren, immerhin hat sie jetzt schon Würstchen um die ganze Welt gekostet!) verkauft wurden. Das Erscheinungsbild der Straße war eher dreckig, der Putz fiel von den Häuserwänden und an einigen Ecken saßen Bettler. Das alles änderte sich schlagartig innerhalb einer Straßenkreuzung. Wir waren also in der Altstadt, Casco Viajo, angelangt. Hier gab es nur noch weiße Häuserfassaden, saubere Straßen und Polizisten, die an vielen Häuserecken patroullierten.

Aber die Altstadt machte dafür auch einiges her, mit den vielen kolonialen Gebäuden, den Kirchen und der Promenade, von der man einen super Blick über die ganze Skyline hat. Mit einem Eis in der Hand, bei dem riesige Eisspäne von einem Eisblock abgeschabt werden und welches anschließend mit fruchtigen Sirup übergossen wird, ging es Richtung Heimweg. Hier machten wir unsere erste Erfahrung mit Taschendieben. Zwar merkte es Anne schnell, als an ihrem Rucksack gezogen wurde (Klopapier und Kekse wollte jedoch keiner aus dem geöffneten Fach klauen), dennoch hatten wir danach ein komisches Gefühl. Wie ungeschoren wir doch bisher durch Lateinamerika gekommen sind!

Mit dem Rucksack auf den Bauch geschnallt kamen wir ohne Verluste im Hostel an. So hatten wir aber zugleich was zu berichten, als wir Dominik und Fabian trafen, die wir bereits aus Chile (Valparaíso) kannten. Die beiden Jungs hatten eine ähnliche Route wie wir und so passte es, dass wir in Panama City gemeinsam Silvester feiern konnten. Mit einer Flasche Rum beschütteten wir das Wiedersehen und saßen noch bis spät in die Nacht zusammen.

Dennoch pünktlich brachen wir am nächsten Morgen nach Panama Viajo auf, wo es alte Ruinen von der ursprünglichen Stadt, die von den Spaniern erbaut wurde, zu sehen gab. Zwischen vielen verfallenen Mauern gab es Straßen zu erkennen. Vom Turm der alten Kathedrale konnte man das gesamte Gebiet überblicken und auch den Ozean sehen. Nach einigen Stunden waren wir auch mit dem Ruinen-Gucken bedient und wollten uns auf den Rückweg begeben. Dafür warteten wir auf den Bus. Und warteten. Und warteten. Ein Einheimischer (so dachten wir) wartete mit uns, deshalb waren wir uns sicher, an der richtigen Haltestelle zu sitzen. Nach einer reichlichen halben Stunde wurden wir von einem weiteren Panameño jedoch darauf hingewiesen, dass hier kein Bus vorbeikommen würde. So ging es eine Straßenecke weiter zu einer anderen Haltestelle, kurze Zeit später kam auch schon der Bus und wir fuhren nach Hause. Das heißt, der Busfahrer ließ uns auf Nachfragen nicht an der nächstpraktischen Haltestelle für uns heraus, sondern beendete seine Fahrt und brachte uns als Taxi mit dem großen Bus zum nächstegelegenen Geldautomaten vor unserem Hostel.


Am Abend wollten wir dann Sushi essen gehen. Dazu reichte die Zeit aber nicht, und wir bestellten uns Pizza. Dafür war es aber zu spät und wir suchten etwas auf der Straße. Hier hatten wir Glück! In einem Restaurant bekamen wir trotz Küchenschluss noch drei Burger auf die Hand. Dazu sei erwähnt: Es war Silvesterabend und erst 22 Uhr. Gestärkt gingen wir also in die Altstadt, schnappten uns ein paar Bier und beobachteten das Silvesterspektakel – naja, ein paar Raketen gab es schon, die wir von der Promenade aus über der Skyline sehen konnten. Hier verweilten wir auch noch ein paar Stunden, erzählten Reisegeschichten, beobachteten das bunte Volk, machten Bekanntschaft mit einem Kolumbianer-Peruaner-Mexikaner-Trio und hatten einen schönen Abend. In eine Bar schafften wir es dann auch nicht mehr. Es war zu spät und wir zu müde. Werden wir alt?

Übrigens ist uns augefallen, dass normale PKW in Panama kein Kennzeichen an der Frontseite haben müssen. Das sah die erste Zeit ganz schön merkwürdig aus:

Allerliebste Grüße aus Panama!
Lisa und Anne

Hier geht es zu den bunten Bildern!

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Lisa Möller Verfasst von: