Von Kaffee und Vögeln

Nach unserem Inseltraum sollte nun unser Dschungelspaß folgen. Doch diesen mussten wir erst einmal erreichen. Nach unserer Tour von den San Blas Inseln kamen wir gegen 19:00 Uhr in Panama an und ließen uns am Busterminal herauswerfen. Wir wollten erst einmal unseren Nachtbus klarmachen, einkaufen und dann im Hostel entspannt duschen, kochen und umpacken. Aus diesem Grund haben wir erst den Bus für Mitternacht gebucht.

Doch leider kam alles etwas anders. Wir buchten, kauften ein und schnappten uns den ersten Bus, der uns zur Via España bringen sollte. Doch leider waren wir an dieser Stelle etwas unaufmerksam, da es einige Male zuvor immer geklappt hatte. Die Via España führt praktisch durch die ganze Stadt und mehrere Buslinien fahren sie entlang. Doch leider immer ein wenig anders. So übersprang dieses Mal der Bus den Teil der Straße, wo sich jedoch unser Hostel befand. Na toll. Wir stiegen aus und überlegten uns ein Taxi zu nehmen. Zu geizig. Als Touri ohne Spanischkenntnisse lässt sich nur schwer ein fairer Preis aushandeln. Also fragten wir im nächsten Bus nach der Haltestelle, die wir nun aufzusuchen haben. Der Busfahrer zeigte in die eine Richtung, Fahrgäste in zwei andere. Nach kurzem stammligen Austausch auf Spanisch nahm uns schließlich genau dieser Bus mit. Er fährt seine Runde noch schnell zu Ende und anschließend wohl bei uns durch das Viertel. So kam es dann auch. Das Problem war nur, dass das Ende der Runde noch weitere 45 Minuten auf sich warten ließ. Am Ende waren wir fast zwei Stunden in dem Bus unterwegs. Halb erfroren blieb uns nun leider keine Zeit mehr zum Kochen. Es war nur noch eine Blitzdusche und hastiges Zusammenpacken möglich. Dann ging es zum Nachtbus. Am Terminal holten wir uns schnell noch ein Sandwich. Zu allem Überfluss war Essen im Bus verboten. Um nicht am Hungertod zu sterben, mampften wir jedoch fröhlich vor uns her. Es schliefen eh bereits alle Buspassagiere und schon bald auch wir.

Früh am Morgen kamen wir in David an und wechselten nun von einem großen Reisebus in einen kleinen Bus und eine weitere Stunde Fahrt brachte uns in den Ort Boquete. Dieser war auf „kühlen“ 1000 Metern gelegen – ein Witz nach Bolivien und Peru. Jedoch hatte dieser Ort damit die perfekten Bedingungen für den Kaffeeanbau.

Aus diesem Grund beschlossen wir, dieses am nächsten Tag mit einem kleinen Ausflug auf eine Kaffeeplantage genauer unter die Lupe zu nehmen. Armando führte uns durch den Café Jardin und zeigte uns, wie hier der Kaffee angebaut wird. Nicht zu heiß, nicht zu nass, nicht zu sonnig. Deswegen gab es hier noch viele Schatten spendende Bananen- und Obstbäume. Kolibris und Bienen schwirrten um uns herum und sind für die Bestäubung der Kaffeepflanzen notwendig. Wir ernteten rote und gelbe Kaffeefrüchte, kosteten sie im Rohzustand (süß!) und schauten uns Schritt für Schritt die Verarbeitung an. Dabei führten wir die ganze Zeit ein Gespräch mit Armando. Es war eine tolle Tour, nicht nur einfach ein schnöder Vortrag über die Kaffeeproduktion. Am Ende rösteten wir noch ein paar Kaffeebohnen, lernten noch mehr über Arabica und Robusta kennen, wo ebenfalls guter Kaffee angebaut wird und wie man eben diesen richtig trinkt. Italien wurde dabei nie erwähnt. Es war eine tolle Tour!

Am Tag zuvor lernten wir Laro, einen jungen Kuna, kennen. Er verkauft in Boquete hübsche Souvenirs und hat uns nach einem netten Gespräch direkt zum Essen eingeladen. Dieser Einladung wollten wir nun am Abend noch nachkommen. Mit einer Flasche Wein trafen wir uns am verabredeten Treffpunkt und spazierten zusammen mit Laros Freund Huan aus Ecaudor zum sehr sehr einfachen Haus von Laro. Zusammen kochten wir eine Kokossuppe mit Kochbananen und Yuca. Dazu servierte uns Laro frischen Fisch. So gehört sich das ja schließlich auch als echter Kuna (von den San Blas Inseln). Es war sehr lecker. Leider war Laros Küche sehr einfach ausgestattet. Es fanden sich nur drei Schüsseln, Teller und Löffel, sodass wir nacheinander Essen mussten und auch das Öffnen der Weinflasche wurde zum interessanten Experiment. Doch natürlich kamen wir bald an den kostbaren Inhalt und hatten einen tollen Abend. Auch ein kleiner Skorpion gesellte sich bald zu uns und wurde von allen bestaunt. Dann kam noch Gabriel, ein Panameño, hinzu und erklärte uns, es wäre gar kein Skorpion. Naja, sah für uns aber dennoch danach aus! Es stellte sich heraus, dass Gabriel sich selbst Deutsch beigebracht hatte und zitierte hin und wieder die Toten Hosen – ziemlich gut! Doch allzu lang ließen wir den Abend nicht werden. Immerhin wollten wir am nächsten Tag den Quetzal-Trail entlangwandern!

(Upps, mitten in der Stadt einfach mal auf eine Tarantel getreten. Spaß, zum Glück war sie schon platt und nicht mehr krabbelig-lebendig!)

Am Tag darauf entpuppte sich die Wanderung jedoch als langsamster Spaziergang seit unserer Reise. Nach einer Stunde Autofahrt erreichten wir das eine Ende des Trails und starteten unser kleines Dschungelabenteuer. Wir hatten bestes Wetter und hörten schon bald die ersten Rufe des Quetzals, ein grün-roter Vogel. Unser Guide fing an, ihm mit Pfeiffen zu antworten. Doch leider sahen wir das Tier, nachdem der Trail benannt wurde, an diesem Tag nicht. Durch saftiges Grün stiegen wir auf und ab und hatten hier und da eine tolle Aussicht. Immer wieder zwitscherte und pfiff unser Guide in den Wald und lockte damit wirklich kleine bunte Vögel in Spatzengröße an. Doch dadurch kamen wir leider kaum voran. Wir blieben immer wieder nach drei Schritten stehen, lauschten, pfiffen und schauten. Kam irgendwann eine Bank, so machten wir gleich eine richtige Pause. Das Ergebnis stellte eine Fünfstundenwanderung für nur acht Kilometer dar! Suuuper.

Grüne Grüße aus Boquete!
Lisa & Anne

Hier geht’s wie gewohnt zu den Fotos.

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Anne Matthes Verfasst von: