Tabakfelder, Kalkfelsen und Pferde

Die Spannung war groß, als wir am Morgen unseres dritten Tages in Havanna die Haustür hinter uns ins Schloss fallen ließen und mit unseren großen Rucksäcken nun auf der Straße saßen. Würde unser vereinbartes Sammeltaxi kommen? Dass man nicht so viel Wert auf die kubanische Pünktlichkeit legen dürfte, hatten wir bereits gehört. Doch alles klappte gut. Nach nur einer halben Stunde Wartezeit blieb dann auch endlich ein Auto auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen. Der Fahrer winkte uns zu und wir luden das Gepäck in den Kofferraum. Zu dritt nahmen wir auf der Vorderbank des Autos Platz. Unser Fahrer hieß Julian, sprach fast kein Englisch, war dafür aber besonders gesprächig! Aus seinen Worten und der freien Rückbank kombinierten wir, dass wir nun erst einmal noch andere Mitfahrer abholen müssen. So bekamen wir noch einmal eine kostenlose Rundfahrt durch die Altstadt. Diese dauerte auch etwas länger, da Julian nicht genau wusste, wo sich die andere Casa befand. Aber gar kein Problem – es wurden einfach alle Personen am Straßenrand gefragt, bis das passende Haus gefunden wurde. Nachdem wir noch zwei Schweizer eingesammelt hatten, ging es nun in den Westen von Kuba: Nach Viñales! Bald schon fuhren wir auf die Autopista, die „Autobahn“ Kubas, ein breiter Asphaltstreifen, der von jeglichem Gefährt und Getier benutzt werden konnte. Neben den Oldtimern fuhren hier Viehtransporter, die zu Bussen umgebaut wurden, Mopeds und sogar Fahrräder. Aber auch Pferdekutschen und Ochsenkarren nutzten den Standstreifen neben einigen liegen gebliebenen Fahrzeugen. Eine offene Motorhaube – kein seltenes Bild in Kuba.

Bevor wir unser eigentliches Ziel erreichten, nahm Julian mit seinem großen Auto noch einen Umweg über ein Feld zu einem kleinen Häuschen mit Scheune. Davor warteten bereits viele andere Autos. Ein Mann erklärte gerade einer anderen Gruppe etwas über Zigarren. Ahja, da waren wir also wieder gelandet. Welcome back to the Zigarren-Verkaufs-Show!
Kurz bekamen wir den Herstellungsprozess für Zigarren erklärt, gezeigt wo und wie die Tabakblätter getrocknet werden, einen Kaffee aufgetischt und zuletzt noch große Schachteln voller Zigarren präsentiert. Aber nein. Danke. Wir kaufen nichts.
Wir tranken also unseren Kaffee, posierten noch vor den coolen Autos für ein paar Fotos und schon ging es wieder Richtung Viñales. Da wir noch keine Unterkunft hatten, besorgte uns Julian sehr gern ein Zimmer. Denn er kannte da ja auch jemanden, der jemand kennt in Viñales, der eine Casa vermietet. Unsere mitfahrenden Schweizer hatten zwar bereits eine Unterkunft, aber das war egal. Auch sie bekamen kurzerhand noch eine neue Casa vermittelt – die war doch sowieso viel billiger und besser.



Viñales ist ein kleines Örtchen, das inzwischen einzig und allein für den westlichen Tourismus zu existieren scheint. Die Hauptstraße im Ort ist von Casas, Restaurants und Souvenirläden gesäumt. Überall hört man die Leute Deutsch, Englisch oder Französisch sprechen. Kubanisches Lebensgefühl? Fehlanzeige! Dafür ist die umliegende Landschaft umso beeindruckender. Nicht umsonst wurde uns die Gegend als landschaftliches Highlight von Kuba beschrieben.

Bei einer Reittour, die wir bereits am Vortag gebucht hatten, durchquerten wir die unendlichen Tabakfelder und kamen an den riesigen Kalkfelsen vorbei. Bevor wir aber aufs Pferd stiegen, bekamen wir noch einmal ausführlich die Herstellung von Zigarren erklärt. Dazu bekam jeder eine Probe-Zigarre, die er selbst rauchen oder mitnehmen durfte. Geraucht wurde die Zigarre hier, indem man das Mundende der Zigarre in Honig tunkt. Das war gar nicht mal so schlecht!

Mit Zigarre auf dem Pferd in der brennenden Hitze fühlten selbst wir uns ein wenig wie echte Cowgirls! Doch auch das gemütliche Reiten durch die tolle Landschaft wurde von ständigen Verkaufsshows unterbrochen. Das störte uns heute aber wenig, da es zugleich sehr interessant und auch entspannt war. So bekamen wir an der ersten Station etwas zur Kaffeeherstellung (welche zu unserer Verwunderung ganz anders als in Panama ablief) und zum Zuckerrohranbau erklärt. Das Thema Kaffee war schnell abgehakt und so kamen wir umgehend zum interessanten Teil. Denn Zuckerohr stand in Kuba zugleich für die Rumherstellung, den wir auch sofort serviert bekamen.



An der nächsten Station kletterten wir durch eine Kalksteinhöhle. Mit Stirnlampen ausgerüstet, quetschten wir uns durch die engen Gänge und bekamen von unserem Leiter regelmäßig Felsformationen angeleuchtet. Dazu nannte er irgendwelche Tiernamen. Stimmt, mit viel Fantasie sah der Stein wohl wie eine Robbe aus.

Station Nr. 3: Baden! Verdammt, wir hatten gar keinen Badeanzug dabei. Diesen Fehler haben nicht nur wir gemacht. Danke für die Info, Anne hatte vorher doch extra nachgefragt. Nagut, dann genossen wir den Ausblick über den See und die Kalkfelsen halt mit einer leckeren Coco Loco: Rum-Kokoswasser mit Honig aus der Kokosnuss! 🙂 An dieser Stelle verguckte sich unserer Horse-Guide auch in Annes Sonnenbrille. Da Anne aber keine Ersatzbrille hatte und noch drei Wochen kubanische Sonne genießen wollte, musste dieses Liebesglück leider unerfüllt bleiben.

Den Nachmittag nach der Reittour hatten wir noch frei, bevor wir am Abend von unserer Casa-Mutti zum Abendessen bekocht wurden. Hier bekamen wir ein breites Angebot an Suppe, frittierten und gekochten Kartoffeln, Bananen, Yucka-Wurzel, Salat, Reis und natürlich Fisch! Vollgestopft rollten wir in unser Bett und konnten uns erst am nächsten Morgen wieder bewegen.

Da wir die Kalkfelsen und die Tabakfelder noch einmal auf eigene Faust erkunden wollten, mieteten wir uns ein Fahrrad. Zusammen mit zwei Libanesen, die wir am Vortag kennengelernt hatten, trafen wir uns am Hauptplatz mit der kleinen Kirche. Zudem stießen noch zwei Amerikaner dazu. Zu sechst fuhren wir zu der größten Kalksteinhöhle der Umgebung. Darin konnte man sogar mit dem Boot fahren. Auch hier bekamen wir wieder „lustige“ Tiere in den Felsen gezeigt. Vor dem Eingang der Höhle durften wir unsere erste Bekanntschaft mit dem Nationaltier von Kuba machen: Die Baumratte.

Nachdem wir uns allesamt wieder in Viñales mit Pizza und Saft gestärkt und die Schrauben von unseren sehr wackligen Rädern nachziehen lassen hatten (manchmal sind Lenker und Vorderrad halt keine Einheit), wollten wir uns noch das Mural de la Prehistoria anschauen. Dies ist ein riesiges Gemälde an einem der Kalkfelsen. Da man es schon von weitem sehen kann, sparten wir uns den Eintritt.

Da wir uns am Vortag allesamt mit dem Reitfieber angesteckt hatten, wollten wir die letzten beiden Stunden vor Sonnenuntergang noch für einen Ausritt nutzen. Dabei wurde aber nicht jeder mit der Auswahl seines Pferdes glücklich gestellt: Anne musste sich mit dem kleinsten Pferd zufrieden geben. Dafür versprach der Name des Pferdes viel: Rapido – „Schnell“! – Doch das Pferdchen hielt standhaft die Endposition unserer Karawane ein. Sobald die anderen Pferde lostrabten, versuchte klein Rapido (manchmal) mittels Galopp mitzuhalten.
Nichtsdestotrotz war es sehr beeindruckend, den Sonnenuntergang über den Kalkfelsen und den Feldern zu beobachten. Ein wundervoller letzter Abend in Viñales, den wir auch noch einmal mit Cocktails und anschließendem fleißigen Schaukelstuhlschaukeln (stehen vor fast jeder Casa, auch typisch kubanisch) beendeten, bevor wir am nächsten Tag wieder Richtung Süd-Osten weiterreisten.

Liebste Grüße
Anne & Lisa

Hier könnte ihr alle Bilder aus Vinales angucken. 🙂

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Lisa Möller Verfasst von:

Ein Kommentar

  1. K.-H. Walther
    1. November 2017

    Herzlichen Glückwunsch, dass Ihr es geschafft habt, uns Euren letzten Bericht, der wieder sehr interessant war, zu schicken. Hoffentlich waren Euch die Kuba-Zigarren gut bekommen!
    Vielen Dank! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg beim Schreiben der Master-Arbeit bzw. am Arbeits- (Studien)Platz.
    Karl-Heinz und Brigitte

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