Unser letztes Abenteuer


Varadero

Nachdem wir den Osten von Kuba verlassen und die halbe Insel über Nacht überquert hatten, kamen wir der Hauptstadt wieder näher. Vorher legten wir noch einen Zwischenstopp auf der schmalen Landzunge von Varadero ein, die im Norden fast vollständig von feinem Sandstrand gesäumt ist.
Schon in Santiago bekamen wir die Info, dass momentan wohl alle Casas ausgebucht seien. Glücklicherweise fanden wir am Busbahnhof doch noch einen Taxifahrer, der ein freies Zimmer kannte, das wir für 35 CUC pro Nacht beziehen konnten. Prima!

Nach unserer Ankunft und einer Kräftigung pusteten wir erst einmal wieder unsere bunten Luftmatratzen aus Panama auf und gingen direkt zum Strand. Der Versuch, Sonne zu tanken, endete aber darin, dass wir vollkommen eingesandet wurden. Auch mit der Einstellung „Wir genießen das jetzt! Komme was wolle!“ wurde es nicht besser und so gingen wir wieder nach Hause, um unsere Sandpanade abzuduschen und stattdessen die Hauptstraße entlangzuschlendern. Die Straßen waren gesäumt von tausenden Souvenirläden, teuren Restaurants und natürlich Cocktail-Bars.

Für unsere letzten Tage gönnten wir uns auch mal ein leckeres Fondue-Abendessen, fanden aber auch preiswertere Alternativen in den Nebengassen, die genauso lecker waren.

An den nächsten Tagen schafften wir es, die Zeit am Strand ohne nervigen Wind zu genießen, im Meer zu baden und einen letzten Sonnenbrand einzufangen. Schön war es nochmal, die Seele baumeln zu lassen.

An unserem letzten Abend verschenkten wir unsere Luftmatratzen an den kleinen Sohn unserer Casa-Mutti, der sich riesig darüber freute. Leider lösten wir damit auch ein riesiges Drama aus, als der Kleine zum Abendessen von seinem neuen Lieblingsspielzeug getrennt werden musste. Für uns gab es als Dankeschön eine große Schüssel voller Bananenchips.


Matanzas

Nach einer halbstündigen Busfahrt beendeten wir unseren Badeurlaub und machten am 6. Februar noch einen Zwischenstopp in Matanzas. Hier war vor allem wieder Kontrastprogramm angesagt, da es in die Stadt so gut wie keine Touristen hinverschlug. Am Busbahnhof wurden wir von einem älteren Mann abgefangen, der uns eine Casa vermittelte. Wieder einmal war der Zufall hier riesengroß und wir kamen im Haus eines Kubaners unter, der viele Jahre in Leipzig studiert und gelebt hatte und in Kuba auch als Reiseleiter für deutsche Touristen gearbeitet hatte. Nun baute er sich hier ein kleines Häuschen auf, um von den Einnahmen durch die Touristen ein schönes Leben zu machen.

Dadurch erfuhren wir viele Dinge über das Land, die Kultur und die Menschen, die wir so noch nicht kennengelernt hatten. Bei einem leckeren Abendessen mit Kartoffeln(!!!) und Fisch und einem sich immer wieder füllenden Rumglas wurden wir außerdem sehr gestfreundlich und herzlich empfangen.

In der Stadt gab es keine großen Sehenswürdigkeiten. Also bummelten wir einfach nur herum, bewunderten die alten Autos, schleckten Eis und genossen einfach nochmal die kubanische Kultur abseits des Trubels.


Unseren Zwischenstopp in Matanzas hatten wir gewählt, um mit der Hershey-Bahn, der einzigen elektrische Bahnstrecke in Kuba, direkt nach Havanna zu fahren. Netterweise brachte unser Gastgeber uns direkt zum Zug. Hier erfuhren wir aber, dass ausgerechnet heute die Abendfahrt ausfallen würde. Schade! Zuvor hatten wir die Uhrzeit per Touri-Info und Telefoncheck geprüft. Am Busbahnhof fuhr leider auch kein Bus mehr nach Havanna, weswegen wir für die kurze Strecke wieder ein Taxi Colectivo nahmen.


Havanna

Wieder zurück in Havanna bezogen wir ein Apartement. Diesmal verschlug es uns ein bisschen außerhalb an den Malecon. Damit verbunden waren natürlich weite Wege zu Fuß, aber so entdeckten wir ein paar neue Ecken, wie zum Beispiel das Universitätsgelände. Und natürlich bekamen wir auch wieder Leckereien und Abendessen zu billigeren Preisen. 🙂

Bei unserem ersten Besuch in der Hauptstadt hatten wir den Plaza de la Revolución José Martí ausgelassen, auf dem neben einem 18 Meter hohen Turm als Denkmal für José Martí auch die berühmten Konterfeie von Che Guevara und Camilo Cienfuegos (ein weiterer Anführer der kubanischen Revolution) zusammen mit den Zitaten „Hasta la Victoria Siempre“ („Immer bis zum Sieg“) und „Vas bien Fiedel“ („Fidel, du machst es richtig“) zu sehen waren.

Da sich auf dem Platz viele Touristen tummelten, gab es natürlich auch wieder viele aufpolierte Oldtimer und fahrende Ü-Ei-Autos (so haben wir sie zumindest getauft 😉 ).

Ein weiteres Ziel war das Rummuseum von Havana-Club. Hier bekamen wir eine Führung unter weiteren deutschen Touristen. Leider fühlten wir uns dabei ein wenig wie in einer Havana-Club-Werbeshow. Zwar gab es viele Informationen über die Rumherstellung, leider ging es aber hauptsächlich um die verschiedenen Sorten und Preise der Kultspirituose.

Im Anschluss erledigten wir noch letzte Souvenir-Einkäufe und dachten lange darüber nach, welchen Rum wir wohl für unsere erlaubte Zollmenge mitnehmen durften. Um nochmal die günstigen kubanischen Preise auszunutzen, statteten wir auch einem Friseur einen Besuch ab. Das stellte sich jedoch als schlechte Idee heraus. Seeehr schlechte Idee! Für 10 CUC bekamen wir eine freche kubanische Trendfrisur. Vom Pony bis zum Nacken bekamen wir einen treppenartigen 3-Stufenschnitt. Lisa hielt zudem ein altes Foto mehrmals hin, mit dem Wunsch, die Haare doch genau so geschnitten zu bekommen. Doch auch das hielt die Friseuse nicht davon ab, ihren schicken Treppenstyle in unsere Haare zu schneiden. Danke…

Den letzten Abend versuchten wir für unser letztes nationales Geld eine kleine Mahlzeit zu finden. Seltsamerweise war unsere nahegelegene „Fressmeile“ schon zu und überall gab es nur noch Touristenrestaurants in denen man mit CUC bezahlte. Erst nach längerem Laufen fanden wir ein kleines Restaurant. Wir setzten uns quasi in das mit Gästen gefüllte Wohnzimmer des Betreibers, konnten nebenbei Sport im TV schauen und saßen zusammen mit anderen Gästen an einem Tisch.

Den Rest des Abends ließen wir auf unserem Balkon mit den letzten Tropfen unseres Rums und einer Zigarre ausklingen. Am nächsten Morgen packten wir alles zusammen, tranken noch einen leckeren Bonbon-Kaffee in einem nahegelegenem Café und deckten uns mit Wegverpflegung für den Flug ein.

Am Nachmittag wurden wir dann von unserem Casa-Besitzer abgeholt und zum Flughafen gefahren. Als wir das Terminal betraten, bemerkten wir verwundert, dass unser Flug gar nicht auf den Anzeigetafeln stand. An der Infotheke konnte man uns wieder einmal, wie auch bei unserer Ankunft, nicht weiterhelfen. Aber irgendwie bekamen wir dann doch heraus, dass unser Terminal noch einmal zwei Kilometer weiter entfernt war. Toll! Zumindest trafen wir zwei Leidensgefährten, die wie wir am falschen Terminal gestrandet waren und auch den Flieger nach Köln bekommen mussten.

Zusammen diskutierten wir mit den Taxifahrern, die allesamt 20 CUC für die kurze Fahrt haben wollten. Wie durch einen Zufall sahen wir einen Bus, der glücklicherweise auch zum nächsten Terminal fuhr – für 3ct pro Person!!

Zum Glück hatten wir noch genug Zeit bis zum Abflug und so lümmelten wir an dem winzigen Terminal in der Gesellschaft der beiden Jungs herum. Für CUP-Preise gab es hier auch noch Getränke und Snacks zu kaufen.

Irgendwann begann dann auch das Boarding. Lustigerweise traf Anne hier noch einen ehemaligen Arbeitskollegen, der gerade seinen Kuba-Urlaub begann.
Den neunstündigen Flug versuchten wir mit Schlaf zu verbringen. Leider ziemlich erfolglos. Am Morgen landeten wir dann endlich in Köln. Zwar freuten wir uns auf Deutschland, doch das Wetter war weniger einladend. Als wir zum Landeanflug durch eine dicke Wolkendecke flogen, wünschten wir uns doch kurz in die Karibik zurück. In Köln hatten wir einen zweistündigen Aufenthalt, der sich für Anne noch einmal sehr spannend gestaltete: Zehn Monate war sie mit einem Taschenmesser herumgereist, das nie jemand beanstandet hatte. Hier in Deutschland wurde nun die Bundespolizei darauf aufmerksam und rief sie kurz vor Abflug zu sich, um sich das Werkzeug genauer anzugucken. Fazit: Gefährliche Nahkampfwaffe, deren Beiführung am Körper verboten ist. Aber da sich das Messer ja erstmal im Rucksack befindet, ist das kein Problem. Es kann also weiter gehen. Gerade so pünktlich zum Boarding kam Anne per Polizei-Auto direkt zum Gate und wir stiegen in unser letztes Flugzeug, bevor wir unsere Liebsten wieder sahen.

Voller freudiger Aufregung standen wir am Kofferband, als wir schon unsere Eltern und besten Freunde durch die Glasscheibe sahen, die uns mit Luftballons, Blümchen, einem riesigen Pappschild und Schokoladenpaket begrüßten. Groß war die Freude als wir uns dann auch endlich wieder in die Arme nehmen konnten (und auch mit unserer Bräune angeben konnten – hehe).


So endete also unsere Reise. Nachdem wir alle noch gemeinsam essen waren, trennten sich unsere Wege nach ganzen zehn Monaten zum ersten Mal.

Das war unsere große Reise – unser Weltreiseabenteuer.

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Lisa Möller Verfasst von: