Von der Schweinebucht nach Trinidad

Playa Larga

Unsere Weiterfahrt aus Viñales wurde uns bereits von unserer Casa-Mutti organisiert. In einem Sammeltaxi ging es erst nach Havanna, wo wir das Auto wechselten und anschließend weiter nach Playa Larga fuhren. Eine weitere Unterbrechung machten wir fürs Tanken. Dafür fuhren wir einmal quer über die Gegenfahrbahn auf einen kleinen Feldweg. Auf einem Privatgrundstück bekamen wir dann per Kanister und Trichter Sprit nachgefüllt.

Nach einigen Stunden Fahrt kamen wir dann endlich auch in Playa Larga an. Der kleine Ort liegt direkt an der geschichtsträchtigen Bahía de Cochinos, der Schweinebucht. Zudem lockte uns die Aussicht auf leckeres Krokodilfleisch, welches es hier in einer Krokodilfarm zu probieren gab.

Wir wollten auch durch die umliegenden Sümpfe wandern, doch als wir herausfanden, dass dies nur mit einer teuren Tour ging, schlugen wir uns dies wieder aus dem Kopf.
Mit zwei Deutschen, die wir am Pizza-Stand getroffen hatten, fuhren wir gemeinsam zur Krokodilfarm in einem umgebauten Transporter, der nun als Bus genutzt wird. Am Eingang der Farm merkten wir nur kurz an, dass 10 CUC pro Person zu teuer seien und schon kamen wir zum halben Preis auf das Gelände. Manchmal läuft es auch in Kuba überraschend anders. Am Eingang gab es wieder das Nationaltier von Kuba, die Baumratte, zu sehen. Und Anne schaffte es endlich einen Kolibri zu fotografieren!

Ein paar Meter weiter gab es dann auch Krokodile in verschiedenen Entwicklungsstadien, die jedoch allesamt unter schlechten Bedingungen eingesperrt waren. In einem großen Gehege wurden die Tiere über eine Angel mit Kuhhaut gefüttert, sodass sie hoch in die Luft sprangen. Bei diesen Aktionen haben die viel zu viel und auf zu engem Raum zusammenlebenden Krokodile einige Verletzungen in Kauf nehmen müssen. Und auch das Krokodilfleisch am Imbiss war eher enttäuschend. Unser Highlight waren somit die Hundewelpen, die sich auf dem Gelände herumtrieben.
Der zwölf Kilometer lange Rückweg gestaltete sich eher schwierig. Die Idee per Anhalter zu fahren, ging nicht auf. Erst nachdem wir circa 45 Minuten gelaufen waren, hielt endlich jemand für uns. Dieser warf jedoch seine Freunde aus dem Auto und wollte uns für Geld nach Playa Larga bringen. Tja, in Kuba ist halt nichts umsonst. Am Abend fanden wir noch einen Stand, an dem Cocktails verkauft wurden. Hier bekamen wir auch aufgeschnittene Kokosnüsse mit Rum und leckeren Piña Colada für nicht einmal einen Euro. Zum Sonnenuntergang saßen wir auf der Straße und schauten den Einheimischen beim Fußballspielen zu, auf einem Platz der zugleich Pferdewiese und Fußballfeld in einem war.



Am nächsten Morgen standen wir früh auf, um den Strand bei Sonnenaufgang zu sehen, und versuchten anschließend mit dem nationalen Bus nach Cienfuegos zu gelangen. An der Bushaltestelle trafen wir zwei Jungs, die uns helfen wollten. Bis zur Autobahn konnten wir problemlos fahren, doch ab da wollte uns einfach kein Bus mehr mitnehmen. Ungefähr zwei Stunden versuchten wir unser Glück, doch leider vergeblich. Auch kein anderes Auto, für welche wir den Daumen mit abnehmendem Optimismus entgegenhielten, stoppte für uns. Alle Plätze waren einfach unentwegt besetzt, kein Auto leer! Glücklicherweise hielt irgendwann doch ein Sammeltaxi, das bereits drei Männer bei sich hatte und uns noch für 10 CUC mitnehmen würde. Naja, immerhin haben wir es probiert. Die beiden Jungs wollten nun noch zu allem Überfluss Geld von uns haben, weil sie uns so toll geholfen hatten. Nichts da! Anne hatte ihnen bereits Kaffee und Zigaretten gekauft. Das reicht. Also ging es für uns ohne weitere Verluste nach Cienfuegos. Die Fahrt musste jedoch regelmäßig unterbrochen werden, da sich die Kofferraumklappe immer wieder öffnete und wir fast unsere Rucksäcke verloren.


Cienfuegos

In Cienfuegos bekamen wir natürlch wieder eine Casa von unseren Taxifahrer vermittelt. Bei der anschließenden Erkundung der Altstadt von Cienfuegos konnten wir eine weitere UNESCO-Kulturerbestätte von unserer Liste streichen. Bevor es aber richtig los ging, suchten wir noch das Bus-Office auf. Vor dem Eingang fingen uns die Taxifahrer ab, die von Angebot zu Angebot immer billiger und schließlich günstiger als der Bus wurden. So fiel die Entscheidung nicht schwer und wir hatten schnell ein Taxi für den übernächsten Tag bekommen.

So konnten wir uns nun voll und ganz auf die wunderschönen Kolonialbauten und Paläste konzentrieren. Auf dem großen Hauptplatz befanden sich neben der Statue von José Martí die Kathedrale, der Triumphbogen, das Palacio de Valle und der Palacio Ferrer. Letzteres besichtigten wir am zweiten Tag unseres Aufenthaltes und kletterten auf den kleinen Turm auf dem Dach des Gebäudes. Auf einem freistehenden Türmchen fühlten wir uns wie Prinzessinnen und konnten die gesamte Stadt und die Bucht überblicken.



Wir liefen bis in einen weniger touristischen Teil der Stadt, wo es auch weniger pompöse und meist nur einfache Gebäude gab. Hier gingen wir bis zu einem alten Friedhof. Die Gräber sind hier aufwendig gestaltet, meist mit weißem Marmor und riesigen Statuen versehen. Natürlich wollte uns eine Kubanerin hier wieder herumführen, doch wir lehnten dankend ab.

Auf der weiteren Erkundungstour fielen uns die vielen Pferdekutschen auf, weit mehr als wir in den bisherigen Städten und auf den Straßen gesehen hatten. Genutzt wurden sie hier als Taxis für die Einheimischen. Um besonders attraktiv für die Kundschaft zu wirken, wurden sie mit bunten Lichtern und Lautsprechern gepimpt. Aber auch der eine oder andere Junge kam einfach so auf seinem Pferd an uns vorbeigeritten. Manche Tiere waren auch einfach nur am Straßenrand festgebunden und warteten auf ihren nächsten Einsatz. Hier weiß man 1 PS also noch zu schätzen!

Auf dem Weg kamen wir an einer Hütte vorbei, in der eine Gruppe Männer Bier trank. Als wir sagten, dass wir aus Deutschland kamen, legte einer von ihnen plötzlich im besten Deutsch los und erzählte uns, wie gern er Deutschland hat, dass er aber selbst noch nie dort war. Interessant, was man so alles für Menschen trifft.

Dass die hygienischen Vorschriften in Kuba etwas anders sind, als bei uns in Deutschland, merkten wir, als wir an einer Fleischerei vorbei kamen. Mitten auf der Straßen wurden ganze Tiere auseinandergenommen. Das Fleisch lag dann in der heißen Sonne oder hing als ganze Keule im Baum.

An unserem zweiten Tag fuhren wir mit der Fähre die Bucht von Cienfuegos entlang, bis wir die Mündung erreichten, an der eine kleine Festung erbaut war. Da der Eintritt in diese zu teuer war, erkundeten wir zu Fuß die Gegend. Immerhin hatten wir auch nur knapp eine Stunde, bis wir wieder unseren Rückweg antreten mussten.
Vorbei an einer kleinen Kirche und großen Ziegengruppen fanden wir bald wieder eine Möglichkeit, ein Eis zu kaufen. Wunderbar bei dieser Hitze! Nach ein paar Schritten durchs Gebüsch, in dem wir ein paar „Rasselfrüchte“ aufsammelten ging es auch schon wieder zur Fähre.

Den Abend spazierten wir am Malecon entlang. Vom Palacio Azul über den alten Yachtclub bis zum Palacio de Valle steigerten sich die historischen Feinheiten der Gebäude immer mehr. Letzteres lag am Ende des Malecon. Auf dem Dach genossen wir den Sonnenuntergang bei kubanischer Livemusik und Cocktails. Das war ein toller Ausklang für diesen Abend und für Cienfuegos. Erschöpft fielen wir ins Bett und waren voller Vorfreude auf unseren nächsten Stop in Trinidad!



Trinidad

Wieder einmal ging es mit dem Taxi Colectivo, anstatt der vereinbarten 7 CUC pro Person ab 9:30 Uhr erst 10:30 für 15 CUC pro Person zu unserer nächsten Station: Trinidad. Auch bekamen wir das Auto nicht wie besprochen für uns beide allein, sondern saßen letztendlich mit sechs anderen Reisenden und dem Taxifahrer im Auto. Logisch, dass dann auch nicht mehr das Gepäck in den Kofferraum passt und mit uns (zu viert auf der Rückbank) Platz finden muss. Dabei dröhnte die Musik lauter denn je von hinten nach vorn und die fehlende Klimaanlage machte uns ebenfalls zu schaffen.

Nachdem wir in unserem neuen Heim, einer Casa hinter einem Souvenirshop, kurz von dieser Fahrt erholt hatten, machten wir uns auf einen ersten Spaziergang durch Trinidad. Noch bevor wir nach Kuba reisten und sicheres Internet hatten, vereinbarten wir mit Dominik und Fabian, die wir in Valparaíso kennengelernt und in Panama-Stadt wiedergesehen hatten, ein drittes Treffen: In Kuba am 24.01. in Trinidad – 19 Uhr vor dem Glockenturm. Das war die Ansage, falls wir wirklich keine Kommunikationsmöglichkeit haben sollten. Das hat dann sogar geklappt. Unsere Runde ergänzte noch der Portugiese Mario und schon bald wurde es dunkel. Wir aßen Pizza und gönnten uns viele 1,50-Cocktails. Als es später wurde, erklommen wir den kleinen Cerro Virgen und sahen die Lichter Trinidads von oben und suchten nach bekannten Sternbildern. Hier gab es, im Gegensatz zur Südhalbkugel, endlich wieder den großen Wagen zu sehen. Anschließend ging es in die Höhlendisco Ayala. Was für ein Wahnsinn! Diese riesige Höhle würde in Deutschland geschützt und eine Sehenswürdigkeit sein. Hier war der (wirklich!) riesige Hohlraum einfach mal zu einer coolen Disco umgebaut worden. Es gab mehrere Floors, verdammt gute spanische (natürlich NUR! spanische) Musik und vor allem zur frühen Stunde viel Salsa auf den Tanzflächen. Es gab auf jeden Fall viel zu sehen und wir hatten viel Spaß.

Am nächsten Morgen trafen wir uns erneut mit den Jungs und suchten in den Straßen nach dem 1-CUP-Kaffee sowie Pan con Tortilla oder was eben noch in den kleine Caféterias bzw. aus den Fensterläden in der Stadt geboten wurde. Gesättigt suchten wir uns ein Taxi und ließen uns zum Strand fahren. Da Lisa und Anne gut informiert waren, packten sie eigene Becher ein und ließen sich später am Strand die Mojitos in diese füllen. So gab es für den gleichen Preis nahezu den doppelten Inhalt! Sowas geht auch nur in Kuba. Mit unserem gleichen Taxi ging es nach einigen Baderunden und ausgiebigem Sonnenbaden wieder zurück in die Stadt. In einem preiswerten Restaurant aßen wir unser Abendbrot, liefen später zum bekannten Casa de la Musica, um etwas spanische Live-Musik zu genießen, bis wir müde wurden und nach Hause liefen. Hier erwischte uns noch unser Casa-Besitzer, welcher zu unserer großen Freude (NICHT!) noch eine große Zigarrenkiste unter einem Bett hervorholte und uns Zigarren verkaufen wollte. Gute Nacht dann auch!

Den nächsten Tag wollten wir noch einmal gemeinsam mit den Jungs nutzen. Wir trafen uns morgens erneut und suchten uns dieses mal ein Taxi für den Nationalpark Toped de Collantes. Unser Taxi brachte uns erst zu einem Aussichtspunkt und anschließend zu einem Pfad, den wir 45 Minuten lang abstiegen, um uns im Tal in den Cascaden abzukühlen. Abkühlen ist jedoch leichter gesagt als getan. In so ein kaltes Wasser waren wir bisher noch nicht gesprungen. Anne hat sich dann jedoch zweimal getraut und auch „bloß“ Füße abkühlen tat gut, um sich für den anstehenden Aufstieg zu erholen. Auf dem Rückweg gab es noch einen kleinen Stop an einem Kaffeehaus, natürlich wieder mit der Möglichkeit Zigarren zu kaufen. Dann ging es zurück nach Trinidad. Gegen Abend wurde sich noch ein letztes Mal mit den Jungs getroffen: In der Bar Canchánchara, wo es gleichnamige Cocktails zu trinken und mehrjährigen teuren Rum zu verkosten gab. Auch sprachen wir jetzt, denn Dominik und Fabian ging es ähnlich, über die Heimkehr nach Deutschland und die damit verbundenen Veränderungen. Reisen war doch nun unser selbstverständlicher Alltag geworden und wir hatten uns noch lang nicht sattgesehen, wollen noch so viel mehr erleben und uns kam das „alte“ Leben doch ganz fremd vor. Wir waren also gespannt, wie das Ankommen in Deutschland werden würde!

Am letzten Tag in Trinidad waren wir schließlich wieder allein und konnten uns die Stadt genauer anschauen sowie fleißig Souvenirs kaufen. Zum Sonnenuntergang erklommen wir den Glockenturm und beobachteten, wie große Vogelschwärme vor dem großen Feuerball über der Stadt hin- und herflogen.

Was wir sonst noch gesehen haben:

Eine Lagerhalle voller Tabak, in die uns ein paar Arbeiter hereinwinkten, um uns die Blätter zu zeigen 🙂

Natürlich gab es auch wieder viele Caféterias:

Auf den warmen Steinen der Casa de la Musica tummelten sich viele kleine Ringelschwanz-Eidechsen in der Mittagssonne:

Und wer auf Köstlichkeiten aus Deutschland nicht verzichten kann, muss das auch in Kuba nicht tun:

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Lisa Möller Verfasst von: